Donnerstag, 16. April 2015

~ Wie aufmerksam bin ich wirklich? ~

Ich habe mir heute vorgenommen, den Tag so bewusst wie möglich zu erleben,
vielleicht fragt ihr Euch jetzt, ob wir das nicht jeden Tag tun sollten,
und ihr habt Recht, das sollten wir,
aber tun wir es auch wirklich?
Sind wir wirklich so achtsam, wie wir es glauben?
Ich nicht.
Also nicht immer jedenfalls und manchmal erscheint es mir,
als hätte ich Tage und Wochen verbracht, ohne wirklich DA zu sein,
damit meine ich den Augenblick, die vielen Augenblicke,
die wir täglich ungenutzt an uns vorbei ziehen lassen.
Besonders die, die uns Kraft schenken, uns erden,
uns für kurze Zeit sehr verdeutlichen wie aufmerksam wir wirklich sind.
Ich baue, wann immer mir auffällt, dass mich die Routine überrollt,
dass ich unaufmerksam werde, dass ich über allem was es so zu erledigen gibt
am Tag die achtsamen Augenblicke vergesse einen solchen Tag ein.
Ich erinnere mich an solchen Tagen ständig daran für einen Augenblick die Augen zu schliessen
und jeweils 5 Geräusche, die ich höre, 5 Körperwahrnehmungen, die ich gerade spüre
(wie zum Beispiel Wind auf meiner Haut, festen Boden unter meinen Füßen), die ich rieche
und wenn ich dann die Augen öffne 5 Dinge die ich sehe bewusst wahrzunehmen,
es ist wirklich ertaunlich, was das bewirkt und wie es verdeutlicht, was ständig um uns herum
passiert und was wir nicht wahrnehmen, weil wir einfach fokussiert sind,
auf die Aufgaben, die wir zu erledigen haben, oder Dinge,
die wir uns in den Kopf gesetzt haben umzusetzen.
Manchmal beissen wir uns fest, lassen Tage und Wochen vergehen,
erledigen Dinge automatisch. Legen Wege zurück,
die uns bekannt sind.
"Hast Du auch gesehen, dass sie an der Brücke arbeiten?" ... fragt uns dann vielleicht
jemand und uns wird schlagartig bewusst, dass wir keine Sekunde dieser Autofahrt bewusst wahrgenommen haben, wir waren fokussiert auf ein Ziel, haben den Weg automatisch
zurückgelegt und keinen blassen Schimmer von den Kostbarkeiten,
die wir übersehen haben.

Vielleicht habt ihr auch Lust einmal einen solchen Tag einzulegen
und mir zu schreiben wie es für Euch war und ob sich etwas verändert!?

 Ich würde mich freuen!

HERZlich ~ Daniela



Mittwoch, 15. April 2015

~ Merkwürdig ~

Schubladendenken, Verallgemeinerungen, seichte Verblödungsunterhaltung
langweilen mich, nun könnte ich wiederholt meinen Unmut darüber kund
tun, dass Menschen, die potenziell sehr viel mehr könnten,
als sie in Wahrheit an eine Masse verscherbeln, es eben so tun,
weil es einen Markt dafür gibt, weil sie beflügelt vom Wettbewerbsgedanken
eben "abliefern" was Menschen ihres Erachtens brauchen.

Wenn sie damit glücklich sind, freue ich mich über ihren Erfolg,
auch wenn sie ihre Ideale, falls sie so etwas haben damit verraten
und ihre Seele verramschen.
Wenn´s Geld bringt, ist das offenbar häufig egal.

Was ich allerdings sehr fragwürdig finde, ist wenn diese Menschen
anderen Menschen, die ihren Idealen folgen, dafür möglicherweise
höhere Preise ansetzen, weil sie eben NICHT auf Massen ausgerichtet
sind, sondern auf die Menschen, die tatsächlich Lust haben sich auf
diese Ideale, Werte, Gedanken einzulassen, die sich eben nicht
an kurzweilige Unterhaltung verschreiben,
sondern wirkliche Denkprozesse anregen, wenn diese Menschen,
genau denen, die tatsächlich Geld verdienen mit dem was sie von Herzen
tun, vorwerfen, das sei ja Geldmacherei.

Doppelmoral nenne ich so etwas und Betriebsblindheit.

Wir alle haben diese blinden Flecken und wir alle können dankbar sein,
wenn es Menschen gibt, die uns immer wieder mehr oder weniger behutsam
darauf hinweisen. 
Ich bin es jedenfalls.

Ich freue mich über jeden einzelnen meiner Leser,
über jeden einzelnen Kommentar, jede Frage und jede persönliche
Nachricht. Ich teile und schreibe, was mich bewegt, und genau SO wird es
auch in Zukunft bleiben.

Nun bin ich in der kompfortablen Lage mit diesem Blog kein Geld verdienen
zu wollen, sondern schreibe ihn aus Freude und teile ihn mit Euch,
den Menschen, die ich erreichen kann, den Menschen die sich erreichen
lassen und ein wenig auch für die, die ich vielleicht noch nicht erreiche.

Vielleicht finde ich es deshlab merkwürdig, wenn Menschen dieses Instrument
zum Geld verdienen nutzen anderen Menschen, die es ebenfalls tun vorwerfen,
das sei Geldmacherei und das könne ja jeder.

Wenn ihr könnt, und wisst wie es geht, dann macht es doch einfach,
besser oder anders oder wie auch immer!

Einen belebten Mittwoch wünsche ich Euch!

HERZlich ~ Daniela










Dienstag, 14. April 2015

~ Bestimmen wir selbst wer uns bestimmt? ~

Habt ihr Euch eigentlich schon einmal die Frage gestellt, wie selbstbestimmt
ihr Euer Leben gestaltet?
Kennt ihr Eure Grenzen der Selbstbestimmung? Damit meine ich die versteckten
Fernsteuerungen, die wir in Kauf nehmen, weil sie uns entweder nicht bewusst
sind, oder weil wir sie ausklammern.
Wir schweifen allzu gern in die Ferne und bezichtigen berechtigterweise
Politiker, Religionsführer, den Chef oder wen auch immer der Manipulation,
der Bestimmung und wir armen Opfer müssen uns beugen.
Ist dem wirklich so?
Gibt es nicht immer Alternativen?
Können wir uns nicht immer auch fragen, wie gerne wir uns manipulieren
lassen, dann darüber jammern, weil wir einfach nicht die Verantwortung tragen wollen,
weil wir zu bequem sind uns selbst und unsere Ansichten zu hinterfragen,
weil wir uns viel lieber ablenken lassen von den Hochgefühlen,
die sich auf Nebenschauplätzen finden lassen?
Kann es nicht sein, dass wir häufig die naheliegendsten Fremdbestimmungen,
Programmierungen und Automatismen aus den Augen verlieren,
indem wir uns mit den "großen" Lügen der Welt beschäftigen?
Es ist so verdammt einfach, anderen Menschen Manipulation zu unterstellen
und es im eigenen "näheren" Umfeld einfach zu übersehen, nicht HINzusehen,
wo die Gefahren wirklich lauern.
Wir fühlen uns sicher, vertrauen und fragen nicht mehr.
Wir manipulieren uns selbst, unser Umfeld und am Ende sind wir großzügig
im Verteilen der Schuldkarten.
Wir fühlen uns benutzt, hintergangen und fremdgesteuert,
sind gebrannte Kinder, die sich vor dem Feuer scheuen und damit
schon von vornherein in jeder neuen Begegnung mit einem Menschen
eine Fallgrube vermuten, ein Messer wittern, das uns bei nächster Gelegenheit
in den Rücken gerammt wird. Nur die Menschen, die eh schon immer da waren,
die sich bewährt haben (häufig und hier kommt der tragisch paradoxe Teil, mit genau
diesem Verhalten), die dürfen heiter weiter wirken in unserem Universum.
"Ich habe ein Problem zu vertrauen!"
"Ich habe Angst vor Fremdsteuerung!"
Kennt ihr sicher auch diese Sätze im oben genannten Kontext, ODER?
Irgendwie nachvollziehbar. Denn wie könnte ich Menschen vertrauen,
wenn ich mir selbst nicht traue?
Wie könnte ich selbstbestimmt leben, wenn ich mir nicht zutraue selbst zu bestimmen,
wenn ich nicht klar weiss, was mir wichtig ist und wenn
ich mich weiter Fremdbestimmung ausliefere, weil´s eben gerade so muckelig ist?
Wie kann ich ernsthaft daran denken, etwas zu verändern, meine
Ängste zu überwinden, mir selbst zu vertrauen lernen,
wenn ich es nicht einfach tue? Wenn ich nicht ins kalte Wasser springe,
weil ich mich ständig fürchte vor den Erfahrungen die ich gemacht habe,
und keinen Platz schaffe, für neue Erfahrungen?
Wenn ich nicht den Mut habe, mich auch mal aus dem Fenster zu lehnen,
einen Schritt zu weit zu gehen, mich auszuprobieren?
Es ist so einfach, Gründe zu finden, warum wir etwas nicht tun sollten,
und am Ende zu sagen: "Ich hatte kein gutes Gefühl!"
Bleibt dann die Frage, war es tatsächlich ein reines Gefühl?
Oder waren es Widerstände, Ängste, die mich hier geleitet haben,
weg von meinem Wachstumspotenzial hinein in meine Kompfortzone.
Weg von neuen Erfahrungen, geleitet von meiner eigenen inneren Notwendigkeit
mich zu entfalten, hinein in die Fremdbestimmung der mir wohlbekannten 
Strukturen.
Am Ende bleibt uns ja schliesslich immer noch über die Vergangenheit zu jammern
und stecken zu bleiben, weil´s die anderen Schuld sind, weil´s einfach immer so
schön bequem war, die Menschen für uns denken zu lassen, deren Verletzungen uns
ja bekannt sind, Angst zu haben vor Menschen, die uns neu begegnen und unser
eigenes Gehirn, an der Tür abzugeben. So hat uns dann immer unser Gefühl geleitet,
unschuldig gerieten wir von einer Katastrophe in die Nächste und fremdgesteuerte Opfer
bleiben wir unser Leben lang.
Fühlt sich nicht gut an, diese Aussicht, oder?
Für mich jedenfalls sieht es aus wie ein Horrorszenario.
Wie immer entscheidet jeder Mensch für sich ganz allein, welchen
Weg er wählt, welche Türen er öffnet und ob oder wann er sich wagt,
bestimmte Räume zu verlassen.
Eigene Wege zu gehen, Verantwortung für sich selbst und sein Leben zu übernehmen,
und wenn´s Scheiße läuft, halt auch SELBSTREFLEKTIERT zu sagen, ich hab´s verbockt
und mach´s nochmal neu, gehe einen anderen Weg.
Der einfachere Weg ist das nicht immer und bestimmt gehen wir den
einen oder anderen Abschnitt mit dem Gefühl ziemlich einsam zu sein,
aber wir gehen ihn, weil wir ihn gehen wollen, weil wir sehr genau
wissen  WOFÜR wir ihn gehen und weil uns einfach nichts mehr aufhalten
kann, zumindest nicht dauerhaft.

HERZlich ~ Daniela



Sonntag, 12. April 2015

~ WELLENsonntag mit Fontane ~

Ich liebe ja Theodor Fontane, ich glaube ich schrieb bereits einmal,
dass ich mit seiner Lyrik aufgewachsen bin.
Meine Oma sprach so lange ich denken kann immer wieder
seine Gedichte und schenkte mir neben Werken von Goethe,
auch Gedichtbände und Erzählungen von Fontane,
die nehme ich so mit, durch mein Leben und genieße es
immer mal wieder darin zu lesen, meine Gedanken ziehen
zu lassen und mich an dem Gefühl zu erfreuen,
das sie herbeizaubern.
Heute mag ich ein Gedicht Fontanes mit Euch teilen,
das mich sehr berührt:

Der Bach und der Mond

Es floß ein bach durch Waldesgrün,
War lauter, klar und rein,
Viel Blümchen an dem Bache blühn,
Und alle nett und fein.

Doch tut er stets als säh' er nicht
Die Blümchen um ihn her,
Des lieben Modes Angesicht
Gefiel dem Bache mehr.

Er hat es gleich ans Herz gedrückt
Und zärtlich es geküßt,
Wenn's nur auf ihn herabgeblickt
Und freundlich  ihn gegrüßt.

Doch plötzlich raubt ein Wolkenschwarm
Dem Bach des Mondes Bild,
Da tobt er voller Schmerz und Harm
Durch's nächtliche Gefild.

Das Leben dünkt ihn kein Genuß,
Nur einzig Qual und Not,
Und voller Lebensüberdruß,
Erfleht er schon den Tod; -

Da, dank dem Ewgen, bricht hervor
Der Mond gar hell und klar; -
Was alles auch der Bach verlor,
jetzt droht ihm nicht Gefahr. 

Jetzt, wo des Mondes Silberglanz
Sich spiegelt in der Flut,
Ist er der alte wieder ganz,
Dem Leben wieder gut. 



Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag mit viel FREUDE und LIEBEvollen Augenblicken!


HERZlich ~ Daniela




Samstag, 11. April 2015

~ WellenFRÜHLING ~

Der Frühling ist da und mit ihm die Sonne, die uns mit voller Wucht
ins Gemüt strahlt, wenn wir sie lassen.
Die ersten Kirschbäume blühen und überall ergrünt es zart.
Wie ich die Übergänge liebe, den Frühling und auch den Herbst,
die uns ganz sanft in die extremeren Monate gleiten lassen.
So wie im Herbst für mich auch emotional immer ein Hauch
von Abschied in der Luft schwebt, empfinde ich im Frühling eine
so herrlich belebende Energie des Neubeginns.
Zeit neue Ideen umzusetzen, die vielen Gedanken, die
sich in den Wintermonaten angesammelt haben in etwas sichtbares
zu verwandeln. Zeit, hinauszugehen in die Natur,
der Entfaltung der Flora & Fauna zuzusehen, sich inspirieren zu lassen
und es ihr gleich zu tun.
Mit welcher Kraft sich plötzlich alles um uns herum verändert,
wie unmittelbar wir nun all die Wunder wahrnehmen können,
die um uns herum geschehen, wenn wir genau hinsehen.
Uns verzaubern lassen von den Kräften der Natur, die
ja auch in uns wirken.
Eines meiner Frühlingsrituale ist es, mich ins satte Gras zu setzen, mit meinen
Töchtern die erste Gänseblümchenkette des Jahres zu flechten und dem
Summen und Zwitschern um uns zu lauschen.
Vor meinem so geliebten Küchendachfenster herrscht bereits in aller Frühe
reges Treiben.
Aufgrund der direkten Flußnähe fliegen Wildgänse, Enten, Möven
und Fischreiher ihre Runden, meine Dachbewohner, ein Rabenpärchen
sorgt für sein Frühstück und die Rotkehlchen, Meisen, Spatzen und Amseln
singen um die Wette.
Sonnenstrahlen kitzeln beim ersten Kaffee auf meinem Balkon die Nase
und ich denke mir wie schon so oft: Welch` ein Glück,
dass ich all das wahrnehmen kann! Wie dankbar ich bin für diese
kleinen Momente, diese glücklichen Augenblicke und dass es
manchmal, in meinem Leben immer öfter wirklich nicht mehr braucht,
zum Glück!
Zusammen mit meinen Lieblingsmenschen, in einer liebevollen Atmosphäre,
auch mal alleine diese besonderen Augenblicke zu genießen
und zu wissen, alles was ich wirklich brauche ist jederzeit DA.
In diesen Augenblicken genügen Luft & Liebe.


HERZlich ~ Daniela 



Freitag, 10. April 2015

~ Herz, Verstand & nicht so stille Beobachter ~

Man könnte wirklich annehmen manche Menschen schicken täglich
ihren Verstand & ihr Herz in den Ring und lassen sie kämpfen.
Unerbittlich und mit unlauteren Mitteln, während sich der
"stille Beobachter" (ich habe immer noch nicht ganz kapiert, wer das eigentlich sein
soll) in den Zuschauerrang setzt und wechselnd applaudiert oder mal entrüstet
aufschreit, je nachdem auf welche Seite er sich für den Augenblick eingeschossen
hat. Und schon an dieser Stelle wird klar, diesen "stillen" Beobachter gibt es gar nicht,
zumindest ist er nicht still.
Wie auch? Er ist ja in uns und damit untrennbar mit uns verbunden.
Nun werden möglicherweise ganz findige Menschen unter uns einwenden,
dass dieser Beobachter von einer anderen Ebene fungiert.
Das ist möglich, vielleicht gibt er sich sogar von dort, wo er
unter Umständen verweilt, die größte Mühe unbeteidigt, nicht wertend, objektiv
zu tun, was ihm obliegt, nämlich beobachten.
Die Frage ist hier meines Erachtens, wie objektiv kann ein Beobachter
sein, der in uns mit all dem Erlebten, Erfahrenen in uns verbunden ist,
wenn er auch über den Gefühlen und Gedanken zu schweben scheint,
wirklich sein?
Was macht der Beobachter dann, mit dem wahrgenommenen?
Welches ja nun auch wieder aus Gefühlen & Gedanken besteht?
Einige Menschen würden nun sagen, er tut nichts.
Meines Erachtens ist das nicht wahr.
Er tut sehr wohl etwas, wenn auch unbewusst.
"Das darf sich dann von ganz allein lösen!"
Höre ich oft in diesem Zusammenhang.
Von ganz allein, also automatisch?
Bestimmt lösen sich ganz viele Dinge, aber ganz sicher nicht vom beobachten allein.
Wir alle gehen um mit dem was wir wahrnehmen.
Wir alle erhalten emotionale Impulse, die Gedanken aktivieren,
in einem ewigen Kreislauf.
Wenn der Beobachter also die Informationen, die er erhält über einen solchen
Kreislauf nicht in Beziehung setzt zu diesem Schaltkreis,
wenn er das Wahrgenommene, nicht aktiv nutzt um überholte Kreisläufe
zu unterbrechen, wozu beobachtet er dann?
Wenn es darum geht passiv zu bleiben in Situationen,
die einen aktiv daran hindern am Leben teilzunehmen,
wozu ist dieser Beobachter dann gut?
Ist er in dem Fall nicht nur ein weiteres Mittel,
um mögliche Entscheidungen NICHT oder unbewusst zu treffen?
Nochmal zurück zum Ringkampf.
Wozu verfeinden wir Herz & Verstand, wenn wir genau
die brauchen, um zu fühlen und zu denken, zu entscheiden
und zu handeln? Sie lassen sich nicht voneinander trennen.
Also warum lassen wir sich nicht füreinander, miteinander wirken,
anstatt ein Feindbild zu konstruieren, welches eine Illusion ist.
Was mache ich mit einem Gefühl, welches ich nicht bestimmen kann,
weil ich mir meinen Verstand zum Feind mache, und was mache ich
mit einem Verstand, der keine Gefühle einbezieht, weil er sie allein
für seine mögliche Misere verantwortlich macht?
Da wird mir wohl auch kein Beobachter helfen, der gar nicht so still
über all dem zu schweben scheint und wartet, dass sich hier von ganz allein
etwas ändert!

HERZlich ~ Daniela


Donnerstag, 9. April 2015

~ LebensBÜHNE ~

In all den Jahren war ihr nicht in den Sinn gekommen, dass all das,
was sie sich im Laufe der Zeit aufbauten, all die Kulissen,
die sie entwarfen, einer Bühne glichen.
Eine Bühne, ein Drehort, an dem ihr gemeinsames Theaterstück,
ihr Lebensfilm fein säuberlich in chronologischer Abfolge gedreht
wurde. In dem Spannungsbögen in Perfektion inszeniert wurden,
in dem alles darauf ausgerichtet war, eine Geschichte zu erzählen,
die ihr Umfeld bewegen würde, die Bewunderung der Menschen auf sich
ziehen würde. Ein perfektes Leben!
`Ist es tatsächlich das, was Menschen sich wünschen?` fragte sie sich.
Ein perfektes Leben, ein langweiliges Drehbuch, eine Geschichte,
die in jeder Sekunde vorhersehbar war, die Dialoge,
einstudiert und so flach, dass es in ihr schrie,
jetzt, wo dieser Film sich vor ihren Augen abspielte.
Sie sah sich in der Rolle der perfekten Ehefrau, an der Seite
eines liebenswerten, erfolgreichen Mannes, der seine Familie über alles
zu stellen schien. Der Karriere machte, sich verwirklichte an ihrer Seite,
der plötzlich über sich selbst hinauswuchs, ein Mann um den sie beneidet wurde.
Sie sah sich an seiner Seite, versteinert lächelnd in einer Gesellschaft
von Menschen, die ebenfalls Steinen glichen.
Die Mimik der Menschen fast leblos, mühevoll einstudiert, damit es leicht wirkt.
Menschen, deren Augen so leer waren, dass sie beim Anblick erschrack.
Vor ihrem geistigen Augen verschwamm diese Menschenmasse zu einem
widerlichen Klumpen brauner Schlacke.
Sie schluckte, atmete tief und versuchte sich an diese Situation zu erinnern,
in sich zu gehen, in Kontakt zu kommen, mit dem Gefühl, dass
sie damals bewegte. Vergeblich. Sie fand einfach keinen Zugang mehr
zu dem Menschen, der sie damals war, vorgab zu sein.
Sie spulte den Film ganz zurück.
Sie musste sich den Anfang noch einmal ansehen,
sie musste herausfinden, wann aus dieser Liebe, aus den gemeinsamen
Träumen, der Sehnsucht ein gemeinsames zu Hause zu erschaffen,
ihren gemeinsamen Traum von einer Familie zu leben,
eine Inszenierung geworden war.
Sie musste den wohl fliessenden Übergang finden, der aus diesem
kostbaren Rohdiamanten, den sie gemeinsam in ihren Händen
hielten, den beiden Menschen, die an sich, an ihre Liebe,
an ihre Träume glaubten, Darsteller in einer Inszenierung machte,
die rein gar nichts mehr mit den Menschen zu tun hatte, die sich einmal
zufällig begegneten und fasziniert waren von der Idee Familie zu leben,
miteinander zu wachsen. Die sich die Freiheit geben wollten,
genau die Menschen zu bleiben und zu werden, die sie eben sind.
Von denen nun nichts mehr zu spüren war, ausser dem Schmerz all das
auf dem gemeinsamen Weg verloren zu haben.
Es war nichts übrig geblieben, als ein Film, die perfekt gestalteten
Kulissen einer Bühne, die plötzlich wie die Gitterstäbe eines Gefängnisses
wirkten, die versteinert grinsenden Statisten, die in jeder Sekunde
mit ihren scharfen Messern in unser Herz stachen,
jetzt wo uns, wo mir bewusst wurde, das ist der Abspann,
das Ende des gemeinsamen Films ist längst vorbei.
Der Abspann läuft, der Übergang in einen neuen Film,
oder ein neues LEBEN?

HERZlich ~ Daniela