Sonntag, 29. September 2013

~ friedvolle Mitte ~

Ich stolperte über ein Wort, ein Gefühlswort, einen Geisteszustand,
der mir einen Augenblick des Friedens schenkte.
Das Wort heisst Mitte und bezog sich in diesem Fall auf die sogenannte „Innere Mitte“.
Ich kenne diesen Ort, ein Gefühl des Friedens, der Ruhe und des LEICHT Seins im Augenblick.
In diesem Zustand kann ich bei mir und gleichzeitig mit anderen Menschen sein,
ohne, mich zu sehr in den Gefühlswelten meiner Mitmenschen zu verlieren.


Es muss also an dem Wort Mitte liegen, welches meine Dämonen zum Tanz auffordert.
Was ist das also mit der Mitte, die mich taumeln lässt?
Meine ersten Assoziationen zu Mitte sind Taubheit, Anpassung und die Bilder zu einer Zeit,
in der ich mich in dieser Mitte befand.


Herzlich Willkommen Mitte!


Sofort schleicht sich der Gedanke ein, dass ich es mir nicht erlaube,
meine Mitte zu finden, aus Angst, dort zu landen, wo ich schon einmal war, in der Gefühlstaubheit.
Das gefällt mir ganz und gar nicht, denn ich mag diesen Zustand des bei mir Seins sehr gern.


Angst & Begrenzung hingegen machen mich erst mal wütend und wenn ich diese Wut nicht gleich als schöpferische Kraftquelle nutze, werde ich traurig.


Selbstverständlich begegnet mir dieses Wort „MITTE“ nun beinah täglich.
Die damit verbundenen Gefühle kämpfen gegen meine entspannte Vorfreude
und liebende Grundhaltung an.
Sowas nenne ich dann innere Sturmflut und die hat nichts gemeinsam mit der friedvollen Mitte.
Es geht rauf und runter, Welle für Welle und jede sich bietende Welle wird von mir gesurft,
ob es nun meine eigene ist, oder die von anderen Menschen,
das strengt an und ist dem friedvollen Zustand in mir nicht gerade zuträglich.


Nun sagen mir immer wieder Menschen, Du musst Dich abgrenzen, von den Menschen, deren Wellen Du surfst, damit sich Dein Eigenes nicht mit Ihrem Eigenen vermischt. Fühlt sich für mich nicht stimmig an, denn Abgrenzung bedeutet Trennung und damit begrenze ich mich schon wieder Selbst, indem ich mich von anderen Erlebniswelten abschneide und meine eigene Suppe separiere, ich glaube das endet auf Dauer in der Isolation und trennt das Gefühl ab von der Verbundenheit des Ganzen.


Wo befindet sich diese innere Mitte, frage ich mich und wie gelingt es mir, dort zu bleiben,
wenn ich mir erlaube, sie als das zu fühlen, was sie wirklich ist?


Meine Mitte befindet sich dort,
wo ich mir im Augenblick nah bin.

Wenn ich genau fühle, wie ich bei mir sein kann,
wozu entferne ich mich dann von mir?


Weil es unbewusste Programme gibt, die sich gern mal abspielen, wenn es mir auf Dauer „zu gut“ geht.


Etwas in mir schreit z.B. Flugverbot, wenn der Flug gerade am schönsten ist, und warum?


… weil man immer gehen soll, wenn´s am schönsten ist … schallt es aus der Tiefe,
… oder wer hoch fliegt, fällt auch tief.


Etwas in mir schreit: VORSICHT, wenn mir ein Mensch sehr nah kommt, wozu?


… Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser ... höre ich es rufen.

In mir brodelt es.
Wenn´s also nicht schön ist, kann´s auch nicht unschön werden? 
So ein Quatsch, wenn´s nicht schön ist, ist es entweder langweilig,
oder von Beginn an Unschön, und das sollte mich nun davon abhalten zu fliegen?
Oder dass ich abstürzen könnte?
… wenn ich nicht fliege, kann ich nicht abstürzen und lernen kann ich dann auch nicht,
demnach bleibe ich mein Leben lang an der selben Stelle stehen und hoffe,
dass das Leben, welches an mir vorbeizieht mich verschont?

Beklemmungen bekomme ich bei dem Gedanken.


Welche Kontrolle?
Ich glaube nicht im geringsten daran, dass es ausserhalb des eigenen Handelns eine Möglichkeit der Kontrolle gibt, auf diesem Planeten.
Mein Handeln richtet sich am liebsten danach, ob sich etwas stimmig anfühlt für mich.


Könnte es also sein, dass ich in meiner friedvollen, inneren Mitte bin,
wenn ich all das in mir anerkenne. mich einfach nicht mehr auf diese programmierten Abläufe in mir,
oder die freundlichen Hinweise von Aussen einlasse?


Hier fühlt es sich für mich gerade liebevoll mittig und nach innerem Frieden an,
freuderfüllt - alles andere als taub.

Freitag, 27. September 2013

~ hineingespürt ~

Heute fragte mich jemand wie ich mich fühle.


Eine gute Frage, finde ich.
Ich musste mich erst einmal orientieren.
Manchmal ist das so, wenn mir solche Fragen gestellt werden,
weil ich mir einfach nicht ganz sicher bin und es wichtig ist, für mich,
genau in mich hineinzuhören.


Also, wie fühle ich mich – heute?


Ich fühle mich bewegt, ich schwimme ein wenig in tiefen Gewässern,
weil es da etwas gibt, das mich immer mal wieder aus dem Konzept bringen will.


RatSCHLÄGE, getarnt als gut gemeinte Empfehlungen,
wie man sein Leben zu leben hätte,
worauf man zu achten hätte,
die Betriebsanleitung wird dann meist gleich mitgeliefert,
weil´s für einen Selbst so wunderbar funktioniert.
Ich weiss, Menschen meinen es gut und einige sogar ehrlich.
Die meisten so scheint mir, versuchen ihr eigenes Lebenskonzept zu
 – ja, was eigentlich -
beinah bin ich geneigt, "verkaufen" zu schreiben,
dabei verlangen sie – augenscheinlich – keine Gegenleistungen,
auf den ersten Blick.
Schaue ich allerdings genauer hin, ist die Erwartung,
diese Ratschläge dann auch umgesetzt zu wissen,
vielleicht schon der Preis.
Die Frage die sich mir damit stellt ist, wem eigentlich wollen sie es verkaufen?
Mir oder in Wahrheit sich Selbst?
Schaue ich mir nämlich einige dieser Menschen genauer an,
wirken sie auf mich nicht unbedingt zufrieden mit ihrem Leben,
eher erscheint es mir oft so, als sei dieses Leben eben auf´s funktionieren
dieser Betriebsanleitung ausgerichtet.


Ich hab´s nicht so mit Anleitungen, wenn es um Menschen geht
und mit Ratschlägen habe ich´s ganz und gar nicht.
Ich freue mich über jeden Austausch mit Menschen,
denn nach meiner Auffassung gibt es in jeder Begegnung etwas zu lernen,
auch von Menschen mit Ratschlägen.
Ich wähle jedoch gern Selbst aus, was ich lernen mag.
Manchmal ist es sogar ein Ratschlag, wenn er sich gut anfühlt für mich.
Am liebsten lerne ich von Menschen, die mir Fragen stellen,
einige tun das ganz unbewusst,
einfach in dem sie mit mir kommunizieren,
oder ihre Sichtweisen anbieten, z.B. in Form von Texten, Verhalten, Bildern oder Musik.
Hier spüre ich tiefen Dank, denn viele Fragen würden sich mir ohne
diese Menschen und ihre Beiträge möglicherweise nicht stellen.
Ich freue mich über jeden einzelnen.



Darüber hinaus glaube ich an den Menschen und seine Fähigkeit über sich hinaus zu wachsen.
Ich glaube daran, dass Menschen nicht geboren wurden um zu leiden.
Es scheint mir, dass manche Menschen unglaublich viel Leid erfahren müssen,
um dieses Potenzial in sich zu entdecken, einige finden es vielleicht nie.
Ich glaube, dass es ihnen nicht im geringsten hilft,
sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit einem Rat zu (er)SCHLAGEN.
Ich glaube daran, dass Menschen sich bewegen,
wenn es ihnen gelingt den Blickwinkel zu verändern
Es bereitet mir Freude zu sehen, wie und wohin sie sich bewegen,
welche Lösungen sie für sich finden,
um letztlich sich Selbst und ihre eigene Wahrheit zu leben.


Menschen zu begleiten bedeutet in meinem Verständnis NICHT ihnen (m)eine Lösung zu präsentieren, sondern sie dabei zu unterstützen Lösungen in sich Selbst zu finden!


Vorausgesetzt ein Mensch sucht wirklich nach Lösungen!






Mittwoch, 25. September 2013

~ LIEBE IST REIN! ~


Diesen Satz schrieb ich als 14 jähriges Mädchen in mein Tagebuch
und die Frage warum Menschen sich ständig sagen müssen, dass sie sich lieben.


Als ich heute während des Umräumens auf meine alten Tagebücher stieß, war es zu verlockend einen Blick hinein zu werfen.
Ich las die Gedanken einer heranwachsenden, die in meinem empfinden kluge Fragen stellte, an das Leben und die Liebe.


Umso trauriger wurde ich bei dem Gedanken daran,
dass es eine Zeit gab, in der ich dieses Mädchen vergessen hatte.
Ein Mädchen mit Träumen, mit Idealen und mit den besten Voraussetzungen ihren Weg zu gehen.
Ein trauriges Mädchen & ein glückliches Mädchen.
Traurig, weil sie sich immer irgendwie anders fühlte und glücklich, weil es eine so unfassbar intensive Zeit des Erlebens war.
Des sich selbst Spürens und der Entwicklung.


Ich fühlte mich immer wohl mit Menschen, die anders waren,
Menschen, die Fragen stellten, Menschen, die tief fühlen und denken konnten.
Ich fühlte mich wohl in der Nähe von Menschen, die authentisch und ehrlich waren,
egal auf welche Art.
Zu oft verlief ich mich in Kreise, die eben dies nicht konnten.
Dort war ich anders.
Die Unnahbare.
Die Sensible.
Die, die irgendwie nicht ganz von dieser Welt ist.
Mit einem unerschütterlichen Glauben an eine Liebe,
die ich fühlen konnte und leben wollte.
Mit dem immer existenten Wunsch diesen Menschen einen Zugang zu verschaffen,
zu der Welt, in der ich lebte.


Mein Berufswunsch war damals Sozialarbeiterin.
Der Wunsch meiner Mutter war es, dass ich etwas anständiges studiere,
Juristin fand sie gut für mich.
Schon bei dem Gedanken an ein Jura Studium musste ich damals gähnen.


Ich wollte für Menschen da sein und ich wollte darüber schreiben,
ich wollte malen, ich wollte in Kontakt sein,
mit mir und der Welt, in der ich lebe.


Ich weiss nicht genau, wann genau es passierte, aber irgendwann glaubte ich,
alle Menschen um mich herum wissen sicher besser was gut für mich ist und ich hörte mehr und mehr damit auf, mir selbst zu glauben. Bis ich mich Jahre später, gut angepasst und uniformiert im Vertrieb einer Versicherung wiederfand und mit dem Song „Eye of the Tiger“ auf eine Bühne begleitet wurde, um für überragende Verkaufszahlen ausgezeichnet zu werden.


Ich weiss noch, dass ich dort oben stand, mich in Grund und Boden schämte und mich fragte, wie ich dort hin kam und was ich dort tat.


Ich glaube, damals war mir zum ersten Mal für einen kurzen Augenblick bewusst, dass ich mich verloren hatte.


Ich entschied einige Tage später zu kündigen, meinen Freund zu heiraten und Kinder zu bekommen.
Das erschien mir die Erfüllung eines weiteren Traums.
Wir heirateten einige Monate später und ich wurde Mutter von zwei zauberhaften Elfen, ich war glücklich.


Bis ich eines Tages bemerkte, dass ich mir selbst beim leben zusehe.
Ich kannte die Frau nicht, die dort leben spielte und das einzige Gefühl,
das mir zugänglich war,
war die Liebe zu meinen Kindern
und der Wunsch ihnen eine gute Mutter zu sein.


Mir wurde schmerzlich und schlagartig bewusst,
dass ich diesen Wunsch nur dann erfüllen kann,
wenn ich mich wieder finde, mich selbst lebe.
Also nahm ich meine Kinder und verließ sonst alles,
was bis dahin mein Leben ausmachte.


Das ist jetzt 4 Jahre her.
Alles was seitdem passierte, gleicht einer Reise,
die nur darauf wartete endlich angetreten zu werden.




Jeder Tag ist ein Geschenk,
Jeder Augenblick Magie.
Jede Begegnung eine Bereicherung.
Jede Berührung ein Segen.
Jede Reflexion ein lange verlorenes Teil in meinem Lebenspuzzle.
Jede Projektion eine lehrreiche Erfahrung.
Jede Lüge ein weiterer Schritt zur Wahrheit.
Jede Begrenzung ein weiterer Antrieb in Richtung Freiheit.
Jede Sehnsucht eine Vorfreude auf das was kommen wird.
Jeder Kampf ein weiterer Hinweis auf meinen Frieden.
Jede Verletzung eine Berührung.
Jedes Ende ein neuer Beginn.


Behutsam meldet sich das 14 jährige Mädchen in mir,
ich kann sie wieder fühlen und ich höre ihr zu.


Ein roter Faden zieht sich durch mein Leben, das weiss ich jetzt.


Es ist die unbändige LIEBE zum LEBEN,
der niemals erlöschende WUNSCH mich zu entfalten
die FREUDE an der Begegnung mit MENSCHEN
und das LICHT, das mich immer aus der TIEFE der Dunkelheit leitete,
bevor ich darin ertrank.


Ich fühle mich gesegnet und beschenkt mit all den wundervollen Menschen,
Begegnungen & Ereignissen meines Lebens und ich freue mich auf & über all das L E B E N , das da noch kommt.


Übrigens:


LIEBE IST REIN ,


weiss ich nun auch 21 Jahre später
und danke dem zauberhaften Mädchen,
das ich damals war, für die liebevolle Erinnerung daran.






Montag, 23. September 2013

~ Menschen & Begegnung ~

Ein gewöhnlicher Montag morgen,
ich stehe auf,
ich gehe ins Bad,
ich trinke Kaffee & rauche eine Zigarette,
während ich die neuesten Meldungen bei Facebook lese,
mich inspirieren lasse.


Ich tausche mich aus, mit mir lieben Menschen, teile mit
was mich berührt in diesem Moment und mich inspiriert für den Tag,
vielleicht schenkt es einem Menschen ein Lächeln, denke ich,
und dass das schön wäre.
Etwas ist anders an diesem Montag morgen.
Ich bin aufgeregt.
Meine Freundin fragte mich vor einigen Tagen,
ob ich eine Idee habe, zu einer Geschichte über unsere Stadt,
die sie gerne filmen würde, um damit an einem Wettbewerb teilzunehmen.
Mich persönlich interessieren Menschen, demnach schlug ich vor,
Menschen zu fragen, wie sie hier in dieser Stadt leben.
Menschen, die vielleicht nicht so häufig gefragt werden.
Solche, die entweder übersehen, oder im vorbeigehen gemustert,
mit Pauschalurteilen belegt und gleich aus dem Gedächtnis verbannt werden.
Diese Menschen interessieren mich.
Nachdem wir gestern kurz durchsprachen,
wie wir die Menschen finden könnten und was wir sie fragen würden,
war uns ziemlich schnell bewusst, dass auch wir Berührungsängste haben.
Wir fragten uns, ob sie uns ihre Geschichte wohl erzählen würden,
wir hatten bedenken und dennoch wusste ich,
wir würden diese besonderen Mensche treffen,
die, die etwas zu sagen haben,
jene,die sich sonst nicht gehört fühlen,
die unser Herz berühren würden.
Wir machten uns also auf den Weg in die Innenstadt und liessen uns erst einmal
von Ort zu Ort treiben.
Mit geöffneten Kanälen nimmt man Menschen anders wahr.
So hatte plötzlich jedes vorüberziehende Gesicht seine Geschichte zu erzählen, dachte ich bei mir.
Unser Gefühl war, wir hatten "unsere" Menschen noch nicht gefunden.
Im vorbeischlendern sah ich aus dem Augenwinkel eine junge Frau
(ich nahm sie als Mädchen wahr) lesend auf einer Bank in der Innenstadt sitzen,
aus dem Rucksack, der vor ihr lag,
lugten 2 Tüten Kekse und eine Flasche Apfelschorle hervor.
Sie hob für einen Moment ihren Blick und ich fragte meine Freundin,
ob sie auch das Gefühl habe, dass wir sie einmal fragen könnten,
ob sie uns ihre Geschichte erzählen mag.
Ihr Name sei Celine, sagte die junge Frau und dass sie uns gerne ihre Geschichte erzählen würde,
auch vor der Kamera, dass sie uns aber sagen möchte, dass sie Junkie sei.
Ich sah meine Freundin an, die ebenso fasziniert und zugleich erschrocken aussah, wie ich:
Celine erzählte uns sie sei 20 Jahre alt und habe einen Freund,
der gerade etwas zu essen besorgen würde.
Sie schlafe mal hier und mal da, bei Freunden oder draußen
und wenn das Geld genügt,
auch mal für eine Nacht im Hotel, da sei es immer so gemütlich.
Celine erzählte uns davon, wie sie als Kind ihrer Mutter dabei zu sah,
als diese Heroin spritzte und wie ruhig und glücklich ihre Mutter ihr damals erschien.
Sie erzählte uns von sexuellen Missbräuchen durch einen Onkel,
als sie 4 Jahre alt war.
Sie erzählte uns, dass sie 9 Jahre alt war, als sie zum ersten mal kiffte.
Meine Freundin und ich sahen uns hin und wieder mal an,
mir bleib die Luft weg und ich spürte wie eine unfassbare Wut in mir aufstieg.
Celine erzählte uns gerade davon, dass sie selbst eine Tochter habe,
die sie in eine Pflegefamilie gab, weil sie bisher keinen Entzug geschafft habe,
als ihr Freund an uns vorüber lief und erklärte, er wolle nicht gefilmt werden.
Etwas später, setzte er sich zu uns und während meine Freundin weiter mit Celine sprach,
fragte ich ihren Freund nach seinem Namen,
er sei der Bastian, sagte er und dass er 32 Jahre alt wäre,
aber die letzten 12 Jahre gesessen habe, er habe versucht sich das Leben zu nehmen in Haft,
und dass er das schon öfter versucht habe,
aber jetzt habe er Celine und sie sei der einzige Mensch,
der ihn jemals wirklich geliebt habe.
Wo wir jetzt doch einen Film machen würden,
warum wir nicht darauf hinweisen würden,
dass es in unserer Stadt grausam wäre für Kinder.
Ob wir die alte Dame kennen würden, die immer Pfandflaschen sammelt,
weil sie nicht genug Rente habe, die Dame hätte vier Kinder erzogen und ihren Mann gepflegt,
wo da die Gerechtigkeit wäre?
Alte Menschen brauchen schließlich auch mehr, wirft Celine ein.
Eine Wohnung, Kaffee,genug zu Essen und Anti Falten Creme.
Wie er Drogenabhängig wurde, fragte ich Bastian.
Er antwortete, dass sein Bruder ihm das erste mal Heroin gegeben habe,
damit er die Schmerzen vergesse.
Er sei schon immer psychisch labil gewesen.
Er konnte die Ablehnung seines Vaters nicht ertragen,
dieser hätte zwei mal versucht ihn umzubringen
und hätte immer wieder gesagt er sei ein Unfall.
Ich höre ihm gebannt zu und werde traurig.
Er habe ein paar Monate immer mal wieder etwas genommen
und sein Bruder hatte ihn gewarnt, dass er genau so abhängig würde, wie er selbst,
aber das hatte er nicht geglaubt.
Er sei eines Morgens aufgewacht und habe gedacht er habe eine Magen – Darm Grippe,
diese mutierte Grippe, denn eine solche Grippe hätte er noch nie erlebt.
Er schildert mir genau, was mit seinem Körper passierte.
Mir wird übel.
Er wollte dann zur Apotheke um sich Medikamente zu holen, als sein Bruder ihm sagte,
dass das nicht helfen würde.
Da habe er „ES“ zum ersten Mal geraucht.
Es war wie ein Traum, sein Körper hörte auf zu schmerzen und die „Grippe – Symptome“ waren weg.
Ob ihm in dem Moment klar wurde, dass er abhängig sei, fragte ich ihn.
Er antwortete:
„JA und es war mir egal. Weisst Du, am Anfang ist das so, dass Du nichts mehr fühlst und ich wollte nicht fühlen.“
Jetzt sei es so, dass er es einfach brauche, um keinen „Affen“ zu bekommen,
er bekomme Methadon, seit seiner Haft.
Zum Schluss erzählen beide gemeinsam.
Ich frage sie, woher sie das Geld für die Drogen nehmen,
denn inzwischen ist klar, dass sie neben Methadon, weiter Drogen konsumieren.
Sie gehe anschaffen, sagt Celine, wenn nötig.
Bastian schaut weg.
Was Glück für sie bedeutet fragt meine Freundin.
Celine antwortet:
„Glück bedeutet für mich eines Tages den Entzug zu schaffen,
eine Wohnung zu finden um meine Tochter zu mir holen zu können.
Ein normales Leben zu führen.“
Bastian sagt:
“Ich weiss nicht was Glück ist, vielleicht für immer mit Celine zusammen sein.“
Wenn sie sich etwas wünschen dürften, was sie sich wünschen würden, fragen wir.
„Einen Menschen auf den ich mich verlassen kann,“ antwortet Bastian.
„Ja,“ sagt Celine, „Freunde, die etwas mit uns unternehmen.
Ich würde so gern in den Zirkus und ich interessiere mich für Meeresbiologie.“
Was sie besonders gerne tun, fragen wir.
Celine erzählt uns, dass sie gerne malt, manchmal stundenlang vor den Leinwänden und den Ölfarben im Bastelladen steht.
Bastian fügt hinzu, dass sie von Zeit zu Zeit einfach fremde Leute portraitiere.
Er selbst habe durch Celine begonnen sich für Bücher zu interessieren.
Am liebsten lese er dunkle Gruselgeschichten mit Action.
Das ist nur ein kleiner Auszug dessen,
was diese beiden besonderen Menschen uns innerhalb zwei Stunden erzählten.
Immer wieder betonten sie, wie sehr sie sich wünschen würden,
sich öfter einmal mit anderen Menschen zu unterhalten.
Aber sie werden meistens behandelt wie Dreck.
Ob sie sich selbst als wertvoll empfinden, fragten wir sie.
Hin und wieder, antworten beide, aber erst seit sie sich gegenseitig gefunden haben
und dass sie jetzt wissen, was Liebe sei.
Wir bedanken uns und umarmen die beiden.
Wir fragen nach, ob sie etwas brauchen.
Beide verneinen vehement.
Ich sage ihnen, dass sie wunderbare Menschen sind und ich unglaublich viel lernen durfte,
in dem Gespräch mit ihnen.
Celine wirkt gerührt, sie sagt, dass sie sowas seit mindestens 5 Jahren nicht mehr gehört hat.
Bastian bedankt sich bei uns, weil wir ihnen zugehört haben und uns nicht vor ihnen ekelten.
Sie wünschen uns viel Erfolg für den Wettbewerb und fragen,
ob wir ihnen den Film zeigen würden, wenn er fertig wäre.
Wir versprechen, dass wir wiederkommen,
mit dem Film, Leinwänden und Farbe für Celine.
Auf dem Weg zurück zum Auto haben wir keine Worte, meine Freundin & ich,
und auch während der Fahrt, sind wir weiter berührt, erschrocken, bestürzt
und auch unglaublich d a n k b a r - für unser Leben,
für diese lehrreiche Begegnung
und für das Vertrauen dieser beiden Menschenseelen.

https://www.youtube.com/watch?v=EyJtiLZRxqw



Samstag, 21. September 2013

~ Das Leben hat immer Recht! ~

Je mehr ich darüber nachdenke und diesen Gedanken in mein Leben integriere,
desto leichter erscheinen mir die Worte.
Das war nicht immer so.
Wie oft fand ich mich wieder in Endlosschleifen der Gedanken, in energieraubenden Zukunftsplänen, in sinnlosen Spekulationen darüber, was Menschen denken oder tun könnten,
und wie ich gegebenenfalls darauf reagieren würde.
Völliger Schwachsinn und Zeitverschwendung, sagten mir schon unzählige Menschen.
Offen gestanden, quälte ich mir in der Vergangenheit bei einem solchen Satz ein müdes Lächeln ab.
Irgendwann entschloss ich mich dann, mein Leben dazu zu befragen und siehe da, es hatte Recht.
Es hatte so verdammt Recht, dass ich vor Desillusionierung Brechreiz verspürte und es hatte so Recht,
dass ich mich erst mal von allem, was bis dahin mein Lebensinhalt war trennen musste.
Ehrlich gesagt, war mir nicht einmal klar,
was ich da tat oder wohin es mich führen würde.
Ich folgte einem Impuls und ich wusste, wenn ich das nicht tun würde, sterbe ich innerlich.
Ich wollte leben, ich wollte herausfinden, was dieses „LEBEN“ noch sein kann und ich wollte MICH entdecken.
Schicht für Schicht abtragen, von den Lagen die sich in den Jahren,
seit ich mich das letzte mal bewusst gespürt hatte, um mich gelegt hatten.
Das war nicht immer angenehm und alles andere als einfach,
denn all diese Schichten sind miteinander vermischt.

Ob ich jemals fertig werde damit?
Ich weiss es nicht.
Ob das wichtig ist?
Ich glaube nicht, solange ich in Kontakt mit mir bin.
Ob ich weiss wohin der Weg noch führen wird?
Nein, das weiss ich nicht.
Ich weiss nur wo ich hin will, ob ich jemals da ankomme, keine Ahnung,
wenn ich nicht daran glauben würde, hätte ich möglicherweise keinen Grund den Weg zu gehen.


Seit ich nicht mehr die meiste Zeit mit planen verbringe,
kommt es übrigens überraschend intensiv – das LEBEN.
Einfach herrlich!
So freue ich mich wieder an den kleinen Wundern und entscheide in jedem Augenblick,
ob ich an den Dramen, die in mir und um mich herum geschehen teilnehmen möchte oder nicht.
Klingt leicht oder?
Ist es auch, meistens.
Wenn nicht, macht das planen und darauf endlos herum denken es auch nicht leichter.


Ich habe mir angewöhnt dann einfach mal tief durchzuatmen und wenn nötig eben die Welle, die sich schlecht anfühlt zu surfen, um mich im Anschluss zu fragen, ob und wenn ja wozu sie gut war.


Die allerschönste Erkenntnis für mich ist die, dass alles zu jeder Zeit perfekt ist, so unperfekt es auch auf den ersten Blick wirken mag.


Es geht immer weiter und die nächste Welle kommt bestimmt!


Am leichtesten eben mit FREUDE und LIEBE zum LEBEN!



Freitag, 20. September 2013

~ Herbst mit von Ribbeck im HERZen! ~

Ich mag den Herbst.
Diese Jahreszeit, welche die Hitze des Sommers mit der Kälte des Winters verbindet,
ihre Farbvielfalt, den Klang der fallenden Blätter im Wind.
Ich mag die warme Stimmung der Herbstabende, bei Kerzenschein & Tee mit einem guten Buch.
Ich mag herbstliche Waldspaziergänge mit meinen Kindern.
Ich mag es mit Ihnen Kastanienmännchen zu basteln.
Den Duft von frisch gebackenem Apfelkuchen.
All das erinnert mich an meine eigene Kindheit,
die Wochenenden bei meinen Großeltern und ein Gedicht,
das mir den Klang der Stimme meiner Oma ins Herz zaubert:




Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit,
Und die Birnen leuchteten weit und breit,


Da stopfte, wenn’s Mittag vom Thurme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: „Junge, wist’ ne Beer?“
Und kam ein Mädel, so rief er: „Lütt Dirn,


Kumm man röwer, ick hebb’ ne Birn.“

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. ’s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit,


Da sagte von Ribbeck: „Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit in’s Grab.“
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner, mit Feiergesicht


Sangen „Jesus meine Zuversicht“
Und die Kinder klagten, das Herze schwer,
„He is dod nu. Wer giwt uns nu ’ne Beer?“

So klagten die Kinder. Das war nicht recht,
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht,


Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt,


Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er that,


Als um eine Birn’ in’s Grab er bat,
Und im dritten Jahr, aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,


Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung’ über’n Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: „wiste ne Beer?“
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: „Lütt Dirn,


Kumm man röwer, ick gew’ Di ’ne Birn.“

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.



(Theodor Fontane)



Mittwoch, 18. September 2013

~ stolpern ~ STAUNEN ~ schenken ~

Heute staune ich.
Es gibt so viele Gründe zu staunen.
Immer und immer wieder, wenn ich stolpere über etwas oder mich selbst,
erscheint von irgendwoher ein Geschenk.
Es wirft sich direkt vor meine Füße und ich staune,
sehe mich um und frage mich nicht mehr wo es her kommt.
Es ist einfach da und seit ich nicht mehr das Gefühl habe,
ich würde solche Geschenke nicht verdienen,
hebe ich es auf, ich öffne und staune.
Zum Vorschein kommen Licht, Liebe, Freude, Dankbarkeit.
Mich berühren diese Geschenke tief in meinem Herzen.


Ein kluger Freund und Lehrer sagte mir einmal,
alles was Du siehst in der Welt, findest Du in Dir.
Je mehr ich staune über all die Geschenke, die mir zugefallen sind,
in den vergangenen Jahren, desto mehr Sinn macht es für mich,
diesen Weg weiter zu gehen.
Geschenke, die ich erhalte, die mich bewegen und mich so unfassbar viel lehren,
weiterzugeben, an Menschen, die offen sind für ungewöhnliche Geschenke.
Jeder von uns hat zu jeder Zeit die Möglichkeit,
seinen Blick zu öffnen und zu lernen,
an allem was uns täglich begegnet,
dann ist STAUNEN nur ein Nebeneffekt,
denn was es ausserdem noch so zu lernen gibt, ist und bleibt spannend
und schenkt fast nebenbei etwas, dass mir seitdem recht häufig begegnet,
tief empfundene FREUDE!




„ Leben passiert.“ sagte ich meinem Freund einmal, beiläufig, während eines Gesprächs.
Als er diesen Satz nach einiger Zeit erwähnte, fragte ich ihn, warum er sich so genau daran erinnert.


Er antwortete mir:


„Weil´s wahr ist und weil ich den Eindruck habe, dass DU es wirklich BIST, die das sagte.“


Ja, Leben passiert, es passiert in jedem Augenblick.
Es ist wunderschön, und erSTAUNT mich weiter,
je mehr es mir gelingt es passieren zu lassen,
Augenblick für Augenblick bewusst wahrzunehmen,
ohne zwanghaft Einfluss nehmen zu müssen.
Die Augenblicke kommen und gehen zu lassen,
ohne das Gefühl etwas halten zu können und in dem Bewusstsein,
dass es einen guten Grund gibt für alles was geschieht,
der sich mir mit der Zeit erschliessen wird.
Es ist ein Weg und kein Ziel,
das wird mir immer klarer und schafft sowohl schöpferischen Raum,
als auch Augenblicke der Seelenruhe.


Heute möchte ich mich bedanken, bei einem Menschen,
der mir mit seiner Kreativität, ein persönliches Video zu gestalten,
eine große Herzensfreude bereitete.
D A N K E von HERZEN für DICH und Deine feine Wahrnehmung,
für Deine Wertschätzung,
für die berührenden Bilder,
den wundervollen Song,
den mitfühlenden Blick
und Deine HERZlichen Worte!


https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=by-01X6fq_U