Sonntag, 29. November 2015

~ Wellenadvent ~


 Haus und Hof sind dekoriert, die ersten Plätzchen Gebacken,
der Adventskranz gesteckt, die Adventskalender befüllt und
der weihnachtliche Geruch erfüllt die Räume.
"Ich bin nicht in Weihnschtsstimmung" oder
"Ich mag Weihnachten nicht" höre ich in den vergangenen Tagen
sehr häufig und denke mir dann so: Gut, dass ich mit Kindern
lebe, denn irgendwie springt die (Vor)Freude so auf mich über.
Die Freude auf Weihnschtskonszerte meiner Töchter,
auf gemütliche Nachmittage, adventliche Spaziergänge, Schlittschuhlaufen,
und ja sogar den Weihnachtsmarkt.
Ob ich das alles ebenso genießen würde, ohne die Begleitung
dieser zwei funkelnden Augenpaare die dem heiligen Abend
entgegenfiebern? Ich weiss es nicht.
Was ich allerdings weiss ist, dass es für uns in den letzten
Jahren tatsächlich eine besinnliche Zeit geworden ist,
die nicht mehr in Stress ausartet und wir uns auch nicht
mehr vom Stress der Menschen um uns herum anstecken lassen.
Und weil ich auch die Winternächte so sehr liebe, mag
ich noch ein Gedicht mit Euch teilen:


Es gibt so wunderweiße Nächte

Es gibt so wunderweiße Nächte,
drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
als ob er fromme Hirten brächte
zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Demantstaube
bestreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen, traumgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut. 


~ Rainer Maria Rilke ~ 

Ich wünsche Euch eine besinnliche Adventszeit!

Alles Liebe ~ Daniela




Samstag, 28. November 2015

~ Vorfreude ~

Vorfreude

Ein so schönes Wort. Mir jedenfalls zaubert es gleich ein
Lächeln ins Gesicht, wann immer ich es lese, höre, sage.
Genau in diesem Geist habe ich beschlossen, die restliche
Zeit des Jahres zu verbringen.
Wozu?
Weil es mir gut tut.
Weil ich mich viel zu lange selbst aufgehalten habe
mit Rückblicken & Reflexionen, dass ich immer
wieder im Selbstzweifel lande. Nicht, dass Zweifel
per se schlecht wären, aber in diesem Fall führen sie
zu nichts, sie lähmen, quälen und bremsen mich in dem
was mir Freude macht und gern umgesetzt werden will,
so sehr, dass ich selbst gar nicht mehr mitbekomme, wie sehr
ich mich von mir selbst, von den Dingen, die mir wirklich
wichtig sind entferne. Zum Glück gibt es Menschen die mich
kennen und mich im Notfall auch mal unsanft darauf hinweisen,
dass mir weder die Schneckenhausstrategie, noch das ewige Widerkäuen
eventueller Hindernisse oder Stolpersteine dienen.
Man, eigentlich weiss ich das alles ja auch und dennoch
kommt halt von Zeit zu Zeit ne Welle, die mich genau dahin spült,
wo ich eigentlich nicht mehr hinwollte.
Und wenn ich dann nicht höllisch aufpasse oder himmlisch
Aufmerksam bin, finde auch ich mich ganz schnell
in einer Dauerschleife aus unproduktiven bis destruktiven
Gedankengängen wieder, die mir auch gleich mal auf´s Gemüt
schlagen, denn irgendwie ist Schwere nicht mehr meine Richtung,
aber vielleicht muss ich mich manchmal einfach überheben,
um zu merken, dass es hier eben nicht lang geht.
In diesem Sinne einfach mal zurück zu Freude,
auf die ich mich jetzt schon wie verrückt freue
und weiter auf dem WellenWeg, der endlich mal
wieder einige Sonnenstrahlen am Horizont erstrahlen lässt.

Danke für´s daran erinnern!

Nach der FREUDE ist VOR der FREUDE!

Alles LIEBE ~ Daniela








Freitag, 27. November 2015

~ Mein Blick auf die ESC - Frage ~

ESC und/oder die wirklichen Probleme dieser Welt ...!

Bens Wunschthema und gerne mag ich mich auch noch einmal 
im Blog dazu äussern, denn meines Erachtens spiegelt 
es auch hier im "Kleinen" (medial Großen) unseren Zeitgeist wieder. 
Man könnte sich an der Stelle natürlich den Verschwörungsansinnen 
hingeben und davon ausgehen, dass es ein rein medial inszeniertes Thema ist, 
möglich ist ja alles, allerdings gibt es wieder eine Menge zu lernen 
von und über uns Menschen in diesem Thema, deshalb blicken 
sehen wir doch einfach mal gemeinsam hin, wenn ihr mögt. 
Was haben die Gemüter sich erhitzt, die Menschen echauffiert über den 
Herrn Kümmert, der im letzten Jahr (meines Erachtens) verdient den 
Vorentscheid zum ESC gewann, die Teilnahme absagte, 
weil ihm der mediale Hype zu groß wurde. Ich fand es ziemlich 
mutig von ihm, auch wenn ich der Ansicht bin, dass einem das 
ja klar sein muss, wenn man an einem solchen Wettbewerb teilnimmt, 
aber oft lernen wir ja erst dann, wenn´s wirklich passiert 
und dann find ich´s halt gut zu sagen, wie es ist. 
Das fanden aber bei weitem nicht alle, denn schliesslich wissen 
wir immer ganz genau, wie wir´s machen würden, gell? 
Nur blöd, dass die meisten von uns niemals in diese Situation 
kommen werden und die Vorstellungskraft es mal umzuwandeln 
in Situationen, denen wir uns in unserem Leben mal nicht gewachsen 
fühlen, die fehlt uns offenbar auch. Ist halt immer alles ganz leicht, 
wenn´s uns nicht oder nur am Rande betrifft. 
Letztlich fuhr die zweitplatzierte Dame und scheint keinen 
nennenswerten Erfolg gehabt zu haben, denn daran könnte ich mich wohl 
erinnern. 
Zurück zu den Vorentscheiden, was haben die ESC - Fans in den letzten 
Jahren entschieden, gevotet, in die Tasten gehauen, um ihren 
Liebling zum Wettbewerb zu schicken. Nix nennenswertes dabei 
herumgekommen, mal ganz abgesehen von Herrn Raabs Entdeckung 
dem schlafenden Satelliten der Lena, von der man auch hin und wieder 
mal etwas hört, ein paar Worte halt, in der Fernsehwerbung, 
aber sie hat gewonnen, WIR haben gewonnen, klar, oder? 
Schliesslich waren WIR auch Papst und Weltmeister sowieso. 
Dabei haben wir für den Papst gar nicht voten dürfen und 
das Mitspracherecht, der Entscheidung über Nationalspieler scheint 
irgendwie auch an mir vorbeigegangen zu sein. 
Nun hatte sich aber tatsächlich die ARD dazu entschieden, 
den Herrn Naidoo zum ESC zu schicken, ohne UNS zu fragen,
Himmel, welch` eine Dramatik, einen Sänger zu schicken, der´s 
kann. Singen meine ich, sich den Medien stellen ohne sich 
den Mund verbieten zu lassen, der einen Standpunkt hat und 
scheinbar auch so etwas wie eine Mission, für die er mit seiner 
Musik steht. Aber der Mensch, den wir nun alle in und auswendig 
kennen, der polarisiert eben. Erfolgreicher ist er, kritisch ist er 
und er spricht mit und vor Menschen, das hätte er besser nicht 
getan, und was er da gesagt hat interessiert auch eigentlich nicht, 
es reicht ja, dass er es getan hat. Und: Schande über sein Haupt, 
er hat einen Glauben, den er offenbar stellenweise in seine 
Musik einfliessen lässt, ebenso wie seine politische Haltung. 
Das geht gar nicht. Homophob ist er ausserdem, sagen zumindest 
die Menschen, die ihn eben in und auswendig kennen nachdem 
sie ausgiebigst die Suchmaschinen bemüht haben und den 
letzten Winkel auf mögliche Verfehlungen durchsucht haben. 
Und ein Nazi, ein Nazi mit indisch afrikanischen Wurzeln, 
der sich zu jeder sich bietenden Gelegenheit für Toleranz, 
Menschlichkeit und Liebe einsetzt. 
Eine Anti - Naidoo Petition wird ins Leben gerufen, 
und schwupps* knicken die "Entscheider" ein und Herr Naidoo 
fährt nicht zum ESC. Eine hitzige Diskussion entbrennt, 
der im Übrigen auch ich mich als bekennende Musikliebhaberin, 
Naidoo Sympathisantin und Mensch nicht entziehen will. 
Das Ende vom Lied? ... es wird wohl jemand singen, 
jemand der von UNS gewählt wurde, jemand, der mit 
einem wahrscheinlich ziemlich ambivalenten Gefühl 
zu diesem Wettbewerb fährt und ein Land vertritt, 
das nicht einmal zu seinen Künstlern stehen kann. 
Ist das nun ein wirkliches Problem in der Welt? 
Im Vergleich zum Terror, zum Hunger, zum Krieg,
wohl eher klein. 
Doch scheinbar genügt ein Musiker als Projektionsfläche
für die eigenen unerkannten Widersprüche, die eigenen 
Unzulänglichkeiten, die eigenen Scheinheiligkeiten
um sich moralisch erhaben über jede mögliche Fehlbarkeit 
eines Künstlers zu stellen und ihn damit in der Luft 
zu zerreissen. Sehr menschlich, tolerant und natürlich 
im Sinne der "freien" Entscheidung und die Medien machen 
da mit. Das so finde ich schreit zum Himmel und 
ist, ein sehr deutlicher Hinweis auf die "echten" Probleme 
dieser Welt!
Meines Erachtens wäre diese übrigens eine bessere, wenn 
wir Menschen nur halb so leidenschaftlich unserer Freude folgen 
würden, wie der Herr Naidoo, dann hätten wir nebenbei bemerkt 
auch viel weniger Zeit und keinen Grund uns mit den Verfehlungen 
eines Menschen auseinanderzusetzen, der genau eines tun sollte 
beim ESC, nämlich das was er richtig gut kann - Musik machen & singen! 
 

Alles Liebe ~ Daniela  








Donnerstag, 26. November 2015

~ Manche wissen's eben ganz genau ~

Folgendes Gedicht ist mir heute wieder einmal
begegnet und möchte unbedingt hier geteilt werden.
Viel Freude damit: 


Menschenkenntnis

Ich zog einen Sommerrock an,
eine adrette Bluse,
lockte mir die Haare
und schminkte mich dezent.
Da war ich eine junge Dame
– vielversprechend und angenehm.

Ich zog Lederhose an,
T-Shirt und Weste,
ließ die Haare
verwuschelt im Wind.
Da war ich eine Rockerbraut
– eine von den "Verlorenen".

Ich zog einen Schlitzrock an
und ein tiefes Dekolletee,
hochhackige Schuhe und
schminkte mich grell.
Da war ich eine Prostituierte
– eine von denen.

Ich zog einen langen Rock an,
eine weite Bluse darüber,
steckte mir eine Blume
in mein wildes Haar.
Da war ich ein Hippiemädchen
– eine die nicht arbeitet.

Ich zog ein Sommerkleid an,
nach der neuesten Mode,
trug die Haare nett frisiert
und nahm einen Kinderwagen mit.
Da war ich eine junge Mutter

Manche wissen's eben ganz genau!

~ Kristiane Allert-Wybranietz~


Mittwoch, 25. November 2015

~ Kontrollierte Wellen? ~


Nachdem ich nun etwa zehn Mal mit diesem Blog begonnen
habe und meine Worte wieder gelöscht habe,
schreibe ich nun durch, ehrlich gesagt habe ich keine
Ahnung, was ich schreiben will, denn mir ist gerade überhaupt nicht
danach ein Thema zu konstruieren, eine Geschichte zu erzählen
oder eine Welle zu tanzen, die nichts mit mir und meinem derzeitigen
Erleben zu tun hat.
Sie ist kühl geworden und rauh, die Umgebung, die ich gerade wahrnehme.
Die Wellen tanzen, wie sie kommen, das schreibe ich so oft
und die Freude im Fokus halten, sie beschützen und sich beharrlich
in ihre Richtung zu bewegen, das ist es, was mir am Herzen liegt.
Ehrlich zu mir zu sein und auch zu Euch, meinen Lesern,
Wegbegleitern, Mittänzern.
Vor ein paar Tagen erreichte mich eine Welle, die mich für einen
Augenblick den Halt verlieren lässt, mich mit sich nimmt
und mich die Kontrolle verlieren lässt,
was mich wieder einmal an einen sehr klugen Satz eines Freundes
erinnert: Stop trying to control the uncontrollable!
Gar nicht so einfach zu unterscheiden, was denn nun kontrollierbar
ist und was nicht. Gefühle sind es schon einmal nicht, zumindest
dann nicht, wenn ich mir erlaube zu fühlen und zwar das was da ist,
in diesem Augenblick und was ich sehr doll spüre derzeit ist Angst.
Ich nehme Angst als Antrieb der meisten Menschen wahr
und da mich solche Wahrnehmungen immer zunächst auf mich selbst
zurückwerfen, habe ich derzeit eine interessante Zeit mit meinen eigenen
Ängsten, zum Beispiel der Angst die Kontrolle zu verlieren,
die ich hin und wieder mal ganz abgeklärt für überwunden halte.
Nun ist sie aber wieder da und hat sich ganz ungefragt und völlig
grundlos (auf den ersten Blick) mit einer Panikattacke ihren Weg
zu mir geebnet. Da sind mir so wahnsinnig viele Techniken bekannt,
die mir helfen können in solchen Situationen und sie helfen wirklich.
Die Angst hat keine Macht mehr über mich, zumindest steuert sie mich
nicht mehr über größere Zeiträume, aber sie ist da.
Das nehme ich zunächst mal als gegeben hin und schau mir an,
wozu gerade jetzt, wie äussert sie sich und was will das Leben gerade
von mir.
Ganz bestimmt will es nicht, dass ich mich ergebe,
mich verstecke hinter diesen Ängsten und mich unbeteiligt
in mich selbst zurückziehe, weil gerade einfach mal niemandem
aufzufallen scheint, was da gerade für ein Fim spielt in meinem
Kopf und da kommen wir auch schon zum Kernthema dieser
Angst, die mich irgendwie überfiel, nachts, als alles schlief.
Nun habe ich all diese Techniken, ich weiss wie ich atmen muss,
ich weiss wie ich entspannen kann, ich kann mir selbst helfen,
das habe ich gelernt und bin froh und dankbar dafür.
Was ich allerdings offenbar nicht so gut kann, ist mich
in dieser verletzlichen, verwundbaren Situation einem Menschen
anzuvertrauen, um Hilfe bitten, aktiv einen Menschen "beanspruchen",
das Wort allein sagt so viel über das antreibende Gefühl dahinter.
Es ist noch nicht so lange her, da schrieb ich über nächtliche Telefonanrufe,
darüber für wen und was ich aufstehen würde in der Nacht,
was ich so tue, weil ich es einfach bin, die das tut.
Offenbar bin ich aber immer noch nicht die, die mal ganz
locker und cool die Kontrolle verliert, den Hörer in die
Hand nimmt und sagt: Mir geht´s gerade gar nicht gut,
hast Du mal einen Augenblick für mich?
Obwohl es nicht den geringsten Zweifel für mich daran gibt,
dass es Menschen in meinem Umfeld gibt,
die gerade in diesen Augenblicken für mich da sind und
es sein möchten.
Und genau da, gilt es für mich gerade hinzuschauen.

 Alles Liebe ~ Daniela




Dienstag, 24. November 2015

~ Unbestimmbare Angst ~

Aufgebäumt, riesig stand sie vor ihr, diese Angst.
Die ihr die Luft zum atmen nahm, sie zu erdrücken schien.
Diese unbestimmbare Angst, die sie kannte so irreal und
dennoch wirklich im Augenblick, dass sie schreien wollte,
doch sie konnte nicht. Überhaupt konnte sie gerade gar nichts.
Ihr Körper zitterte, sie biss sich auf die Lippen, jetzt nur nicht
ergeben. Um sie herum Menschen, die auf sie einredeten.
Sie verstand kein Wort von dem, hörte die Stimmen,
aber nicht was sie sagten.
Sie war noch ein Kind, zehn Jahre alt, als sie diese Angst zum
ersten Mal überfiel.
Im überfüllten Fahrstuhl eines Einkaufszentrums in der Vorweihnachtszeit,
Menschen um sie herum, deren Anwesenheit lärmte,
Gerüche die sie würgen liessen.
Ihre Kehle schnürte sich zu, sie konnte nicht mehr schlucken,
nicht mehr atmen und begann dann doch zu weinen.
Die Beruhigungsversuche der Großeltern und Tanten, die sie begleiteten
schlugen fehl, sie machten es nur noch schlimmer, weil  keiner
die Ruhe behielt und alle gleichzeitig auf sie einredeten,
sie wahnsinnig machten mit ihren Belehrungen und der Überforderung
mit dieser Situation.
Sie wollte weg, nach Hause.
Das war so nicht geplant für den Rest.
Sie solle das Theater sein lassen, es gäb schliesslich keinen
Grund für ein solches Verhalten.
Nur Fragmente dieser Worte drangen zu ihr durch,
stand sie doch frontal dieser übermächtigen Angst gegenüber,
die sie zu überwältigen drohte.
Nachdem alle Versuche gescheitert waren, sie zu beruhigen,
machten sie sich auf den Weg zurück zum Auto.
'Nein, nicht wieder in diesen Fahrstuhl, dieses Parkhaus.' dachte
sie, während sie nach Luft rang.
Sie wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen.
So dass irgendwann ihr Großvater das Auto allein holte,
und die anderen bis zum vereinbarten Treffpunkt weiter vorwurfsvoll
auf sie einwirkten.
Die Autofahrt machte alles noch schlimmer, sie bekam
Weinkrämpfe, Atemnot und schlucken konnte sie immer noch
nicht, zumindest hatte sie das Gefühl.
In ihrem Gefühl dauerte es eine Ewigkeit, bis sie endlich bei
ihrer Mutter ankamen. Die nahm sie liebevoll in den Arm,
und versuchte ganz ruhig zu ihr durchzudringen, doch es gelang
ihr nur schwer. Sie atmete ganz ruhig mit ihr gemeinsam,
aber immer wieder brach das Mädchen in Tränen aus, atmete schnell
und schwer, sodass sie mit ihr eine Kinderärztin aufsuchte,
die an diesem Samstagnachmittag Notdienst hatte.
Bereits als sie in der Praxis ankamen, die dunkel,
farblos und so gar nicht kindgerecht gestaltet war,
wurden die Attacken wieder schlimmer.
Eine halbe Stunde später im Behandlungsraum,
nachdem die Ärztin sie abgehört und ihre Reflexe getestet
hatte, hörte sie die Ärztin zu ihrer Mutter sagen:
"Die hat nichts, die simuliert."
Nachdem ihre Mutter ihr in die Jacke geholfen hatte,
sie an die Hand nahm und sie gemeinsam die Praxis
verliessen, sah ihre Mutter die Ärztin an:
"Sie haben offenbar ihren Beruf verfehlt, oder
glauben sie tatsächlich, dass irgendeine Mutter
einen kinderärztlichen Notdienst aufsucht mit einem
Kind, das seit Stunden hyperventiliert, weil es NICHTS hat?"

Keine Antwort, die Tür fiel ins Schloss.
Die Mutter machte einen ausgedehnten Spaziergang
mit ihrer Tochter und es dauerte noch bis in die
Nacht, bis sie sich einigermaßen beruhigt hatte.
Es dauerte noch einige Wochen, bis sie sich von dem
Vorfall erholt hatten und sie langsam Schritt für Schritt wieder
begannen sich Menschenmengen, Fahrstühlen,
Parkhäusern oder Einkaufszentren zu nähern,
bis sie sich wieder frei bewegen konnte,
die Angst allerdings und die Angst vor dieser Angst
sollten sie viele Jahre später als erwachsene Frau
noch einmal einholen.

~ Daniela Buchholz, Nov. 2015 ~



Montag, 23. November 2015

~ Freunde ~

Können wir uns Freundschaft verdienen?

Hin und wieder stolpere ich mal über Aussagen wie:
Meine Freundschaft muss man sich erstmal verdienen
und ehrlich gesagt ist mein erster Gedanken dann immer:
Huch* da hat wohl jemand ein Problem mit Vertrauen.
Oder aber er hat enttäuschende Erfahrungen gemacht,
wie wir alle wahrscheinlich.
Freundschaft verdienen, wie soll das gehen?
Sind wir nicht einfach Freunde?
Also ich meine nicht uns alle, denn bei aller
Liebe, ich kann, will und werde mich in diesem Leben
mit einigen Menschen ganz bestimmt nicht befreunden.
Ganz im Gegenteil, der Kreis der Menschen, die ich als
"Freund" bezeichne, ist sehr überschaubar.
Haben sich diese Menschen nun meine Freundschaft verdient?
Sie sind es einfach.
Keiner dieser Menschen ist perfekt, genauso wenig
wie ich es bin.
Keine meiner tiefen Freundschaften war oder ist konfliktfrei,
und doch macht eben diese Freundschaften aus, dass sie
nicht an diesen Konflikten zerbrechen. Ganz im Gegenteil
wir wachsen aneinander, nebenbeinander, phasenweise
auch ohneeinander und dann wieder miteinander.
Diese besonderen Menschen mussten sich meine Freundschaft
nicht verdienen, sondern ich BIN ein Freund der Menschen,
denen ich es sein will. Ob diese Freundschaft für mich empfinden,
oder ob ich mir ihre Freundschaft verdienen muss/te, das weiss ich
nicht, wage ich aber irgendwie zu bezweifeln, denn in meinem
Empfinden darf & durfte ich mit diesen Menschen einfach ich selbst
sein. Meine Freunde liebe ich besonders auch dafür, dass sie einfach sie
selbst sind, mit all ihren Launen. Der eine bringt mich manchmal
an den Rande des Wahnsinns, mit seinen Ideen und Ansichten,
die er mir, sofern sie ihm wichtig sind wie ein Maschinengewehr entgegen -
schleudert, aber gerade das zeichnet ihn auch als Mensch aus,
dass er einfach brennt für Themen, die ihn bewegen.
Meine Freundschaft zu meiner längsten Herzensfreundin
ist ruhiger geworden, erdig, sicher und unglaublich warm.
Manchmal frage ich mich tatsächlich, ob und womit ich
diese besonderen Menschen in meinem Umfeld verdient
habe und antworte mir dann selbst: Menschen können wir
zum Glück nicht verdienen, wie Geld oder materielle Werte,
denen begegnen wir und wählen dann ob wir ihnen ein Freund sein
wollen. Manchmal begegnen wir eben Menschen, die ebenfalls
wählen und zwar immer wieder über viele Jahre hinweg.
Meines Erachtens können wir uns Freundschaft also nicht
verdienen, wir können nur Freunde SEIN füreinander
oder eben nicht.


Alles Liebe ~ Daniela