Mittwoch, 9. Dezember 2015

~ Wellenfund ~

Ihr wisst ja mittlerweile wie sehr ich es liebe in
Antiquariaten herumzustöbern, neben einigen anderen
Kostbarkeiten ist mir bei meinem letzten Besuch ein
Gedichtband in die Hände gefallen, als ich es öffnete,
schlug sich die Seite mit folgendem Gedicht auf:


Stets trotzen wird ein Stein der Flut,
Ein Baum im Wind wird ewig rauschen:
So folg auch du dem eignen Mut,
Mit keinem Andern kannst du tauschen:

 

Was stets sich fremd, was nie sich gleich,
Wie sollte dem der Gleiche gelten?
Darfst du den zarten Busen weich,
Darfst du den harten grausam schelten?

 

Gesetze sprechen über dich,
Doch läßt Natur sie bald vergessen;
Trägt jeder nicht sein Maß in sich,
Und dürft ihr ihn mit eurem messen?

 

Was innerlich du bist und hast,
Nach außen wird sich's frei bewegen;
Kein Zaudern hilft und keine Hast,
Du gehst dir ewig selbst entgegen.



~ August Graf von Platen ~ 

Ein schöner Impuls für den heutigen Tag, wie ich finde.


Alles Liebe ~ Daniela

Dienstag, 8. Dezember 2015

~ TraumGedanken ~

Es gibt ja diese Tage, an denen man sich einfach davon
träumen möchte, kennt ihr auch, oder?
Mein Vorschlag ist: Einfach mal machen!
Also ich meine, nachdem wir die wichtigen Dinge
des Alltags erledigt haben und auch sonst FREI
genug sind uns unseren Gedanken zu widmen,
die wir einfach mal ziehen lassen und zwar genau
dahin wo es uns beliebt. An Orte unserer Phantasie,
oder Plätze an denen wir viel lieber wären, als dort wo
wir gerade sind. Mit Menschen, die wir gern um uns hätten
oder Wesen die es vielleicht auch gar nicht gibt.
Manchmal erscheint es mir so, als hätten wir diese Art zu denken,
völlig vergessen. Erinnert ihr Euch noch, wie ihr als Kinder
Phantasewelten erschaffen habt, Figuren erschaffen habt,
mit denen ihr dann gespielt habt?
Irgendwann sind wir dann wieder aufgetaucht, in diese Welt,
die "reale" Welt und haben hier einfach weitergemacht.
Heute scheint es so zu sein, dass Menschen entweder nur
in Traum oder Phantasiewelten leben, die unserer realen Welt
zum verwechseln ähneln und dummerweise ihre Figuren nicht
neu erschaffen, sondern existente Personen in irgendwelchen
Rollen besetzen, die sie dann versuchen mit Kraft der Gedanken zu
steuern, ohne zu bemerken, dass sie gerade in einer Phantasiewelt leben.
Oder eben im Gegensatz dazu die Menschen, die gar nicht träumen,
die sich lediglich an Fakten halten und alles was darüber hinausgeht
als bekloppt abstempeln. Schade irgendwie.
Letztlich leben wir hier in dieser Welt und müssen uns alle - wie auch immer -
mit den gegebenen Umständen auseinandersetzen,
ist es da nicht schön einfach mal abzuheben, einzutauchen in die
eigenen Träume und Phantasien und geben sie uns nicht
vielleicht die Kraft, diese realen Katastrophen zu überstehen?
Ist es nicht auch so, dass diese Träume manchmal gar nicht
so weit weg sind, von der Realität, so dass wir sie auch leben
könnten, wenn wir wollten und den Mut dazu hätten und
bringen wir nicht vielleicht auch genau deshalb irgendwann den
Mut auf uns einen Traum wahr zu machen?
Lernen wir zu unterscheiden, zwischen einem Traum,
den wir träumen um uns für einen Augenblick in eine andere Welt
zu begeben, die wir so nicht leben können oder wollen,
den Träumen, die es sich lohnt wahr zu machen
und den Träumen, die wir benutzen um uns eine Parallelwelt
zu erschaffen, um uns unserer Verantwortung zu entziehen,
in dieser Welt etwas zu bewegen.


Alles Liebe ~ Daniela



Sonntag, 6. Dezember 2015

~ UnKonventionell? ~

"Mir sind Konventionen egal."
Habe ich das gesagt? Ja, das habe ich, während eines Gespräches
kam das so aus mir herausgeschossen.
(Ganz konventionell haben wir übrigens gestern gemeinsam Stiefel,
geputzt und vor die Tür gestellt, damit der Nikolaus sie befüllt,
ganz unkonventionell werden wir den heutigen Sonntag verbringen,
aus der Sicht der meisten Menschen.)
Nun sind solche Sätze ja häufig mal leicht daher gesagt,
da ich aber in solchen Themen sehr sensibel bin
und "egal" auch immer gleich mal dazu einlädt genauer
hinzuschauen, hab ich mir mal Gedanken darüber gemacht
ob das auch wirklich so zutrifft und tatsächlich ist es so,
Konventionen sind mir egal. Also sie interessieren mich nicht
(mehr) sonderlich. Ich mache mir auch in meinem alltäglichen
Leben wenig Gedanken darüber, ob etwas konventionell ist,
oder nicht, sonder orientiere mich in dem was ich tue
an meinem eigenen Wertesystem, welches dann schon
hin und wieder mit Konventionen kollidiert, was mich dann
im ersten Augenblick ein wenig verwirrt, halte ich doch
für ziemlich normal was ich tue. Das zeigt mir aber im Umkehrschluss
auch, dass mir nun nicht zwanghaft daran gelegen ist unkonventionell
zu sein, oder zu handeln.  Ich mache mir tatsächlich wenig bis keine
Gedanken darüber. In der Begegnung mit anderen Menschen,
interessieren mich Lebensentwürfe, Lebensgeschichten und
spannend finde ich wie Menschen miteinander leben,
welchen Weg sie für sich wählen und wie bewusst sie es tun.
Allerdings scheinen Konventionsschubladen für mich nicht zu existieren,
andere schon, den jeder Mensch, kategorisiert automatisch in dem
Augenblick, in dem wir abwägen, welche Werte sind uns ähnlich,
welche eher nicht.
Demnach ist Kategorisierung nicht per se schlecht, und in vielen
Situationen unseres Lebens unabdingbar.
Was genau unkonventionell sein soll an bestimmten Lebensentwürfen
frage ich mich immer wieder, eigentlich schon mein ganzes Leben,
wieso können Menschen nicht einfach frei wählen, wie, wo und mit wem
sie Leben, und wer entscheidet eigentlich, was zur Konvention wird,
an der sich dann ein Haufen Menschen orientieren, um nicht durch´s
Konventionsraster zu fallen?
Schaffen wir uns nicht selbst dies Konventionen, einige Menschen
leben ihren Entwurf und andere halten den für erstrebenswert,
weil er ihnen erfolgversprechend vorkommt, aber ist etwas
mit dem andere Menschen Erfolg haben, glücklich sind,
automatisch erfolgversprechend für jeden beliebigen Menschen?
Das wage ich offen Gestanden zu bezweifeln.
Wir alle sind so individuell geprägt, ausgestattet mit so verschiedenen
Fähigkeiten und Werten, dass was meinen Nachbarn glücklich macht,
mich noch lange nicht glücklich machen muss, ob mein Nachbar nun
konventionell lebt, oder nicht, ist dabei völlig unwichtig, zumindest
in meinem Erleben ist das so. Wenn mein Geschäftspartner,
Mitarbeiter, Freund erfolgreich ist, mit einer bestimmten Strategie,
heisst das nicht, dass ich damit genau so erfolgreich sein muss,
möge sie so unkonventionell sein, wie sie will, wenn ich nicht davon
überzeugt bin sondern sie um des Erfolg willens wähle, aber völlig
verkrampfe, weil eben sein Weg NICHT mein Weg ist, dann
werde ich wahrscheinlich nicht lange erfolgreich sein, mit dem
was ich tue.
Wozu ist dieses konventionell/unkonventionell also wirklich wichtig
hervorzuheben?
Möglicherweise ist es wichtig für die Menschen, die sich viele
Gedanken darüber machen Konventionen zu entsprechen,
beziehungsweise es eben unter keinen Umständen zu wollen.
Vielleicht dient es uns, dazu uns abzugrenzen, uns unser eigenes
Wertesystem zu bauen und immer wieder zu hinterfragen.
Glück und Erfolg sind sehr persönliche Begriffe, die
ein jeder von uns für sich selbst definieren sollte,
sofern er wirklich glücklich und erfolgreich sein will.

Alles Liebe ~ Daniela


Einen beSINNlichen 2. Advent wünsche ich Euch mit einem
ziemlich unkonventionellen Bild für diesen Tag! ;-)






Samstag, 5. Dezember 2015

~ Mistral ~

Für mich das wohl schönste und bewegendste aller Nietzsche Gedichte.


An den Mistral
Ein Tanzlied


Mistral-Wind, du Wolken-Jäger,
Trübsal-Mörder, Himmels-Feger,
Brausender, wie lieb ich dich!
Sind wir zwei nicht Eines Schoßes
Erstlingsgabe, Eines Loses
Vorbestimmte ewiglich?


Hier auf glatten Felsenwegen
Lauf ich tanzend dir entgegen,
Tanzend, wie du pfeifst und singst:
Der du ohne Schiff und Ruder
Als der Freiheit freister Bruder
Über wilde Meere springst.


Kaum erwacht, hört ich dein Rufen,
Stürmte zu den Felsenstufen,
Hin zur gelben Wand am Meer.
Heil! da kamst du schon gleich hellen
Diamantnen Stromesschnellen
Sieghaft von den Bergen her.


Auf den ebnen Himmels-Tennen
Sah ich deine Rosse rennen,
Sah den Wagen, der dich trägt,
Sah die Hand dir selber zücken,
Wenn sie auf der Rosse Rücken
Blitzesgleich die Geißel schlägt, -


Sah dich aus dem Wagen springen,
Schneller dich hinabzuschwingen,
Sah dich wie zum Pfeil verkürzt
Senkrecht in die Tiefe stoßen, -
Wie ein Goldstrahl durch die Rosen
Erster Morgenröten stürzt.


Tanze nun auf tausend Rücken,
Wellen-Rücken, Wellen-Tücken -
Heil, wer neue Tänze schafft!
Tanzen wir in tausend Weisen.
Frei - sei unsre Kunst geheißen,
Fröhlich - unsre Wissenschaft!


Raffen wir von jeder Blume
Eine Blüte uns zum Ruhme
Und zwei Blätter noch zum Kranz!
Tanzen wir gleich Troubadouren
Zwischen Heiligen und Huren,
Zwischen Gott und Welt den Tanz!


Wer nicht tanzen kann mit Winden,
Wer sich wickeln muß mit Binden,
Angebunden, Krüppel-Greis,
Wer da gleicht den Heuchel-Hänsen,
Ehren-Tölpeln, Tugend-Gänsen,
Fort aus unsrem Paradeis!


Wirbeln wir den Staub der Straßen
Allen Kranken in die Nasen,
Scheuchen wir die Kranken-Brut!
Lösen wir die ganze Küste
Von dem Odem dürrer Brüste,
Von den Augen ohne Mut!


Jagen wir die Himmels-Trüber,
Welten-Schwärzer, Wolken-Schieber,
Hellen wir das Himmelreich!
Brausen wir ... o aller freien
Geister Geist, mit dir zu zweien
Braust mein Glück dem Sturme gleich. -


- Und daß ewig das Gedächtnis
Solchen Glücks, nimm sein Vermächtnis,
Nimm den Kranz hier mit hinauf!
Wirf ihn höher, ferner, weiter,
Stürm empor die Himmelsleiter,
Häng ihn - an den Sternen auf!


~ Friedrich Nietzsche ~

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen richtig schönen 
WellenTanz in & durch Euren Samstag! 

Alles Liebe ~ Daniela 


Donnerstag, 3. Dezember 2015

~ Aufmerksam bleiben ~

Erinnert ihr Euch noch, was ihr heute vor 4 Jahren getan habt?
Ich hätte mich wahrscheinlich nicht exakt daran erinnert,
wenn ich nicht gezielt in meinen Tagebuchnotizen gesucht hätte,
aber neuerdings erinnert mich Facebook.
Während ich manchmal herzlich lachen muss,
über spirituell leicht abgehobene Posts,
oder Gedankengänge, die sich heute ein wenig merkwürdig
anfühlen, bin ich heute an etwas sehr schönes erinnert
worden, nämlich an eine sehr glückliche Zeit in meinem Leben.
Interessanterweise deckt sich das mit einer bewegenden Frage,
die ein sehr guter Freund mir vor einigen Tagen einmal stellte.
Er erinnerte mich daran, dass sich etwas sehr verändert hat mit mir
und er hat recht. Nach einem einschneidenden Erlebnis,
scheinen sich ganz langsam und behäbig Glaubensmuster,
Verhaltensmuster und Gedanken eigeschlichen zu haben,
die mir sehr bekannt sind, mir aber schon lange nicht mehr dienen,
so dachte ich zumindest, bis er mir diese Frage stellte
und sich für mich heute noch einmal der Unterschied zwischen
damals und heute bildhaft darstellte.
Nun verändern wir uns ständig.
Wir lernen dazu, beschäftigen uns mit uns selbst,
mit anderen Menschen, manche von uns tun das aus Freude,
andere auch beruflich. Mir war nie bewusster, als in den
letzten Tagen, dass wir soviele Methoden und Techniken
lernen können, wie wir wollen, wenn wir nicht in Kontakt mit
uns selbst sind, bringt uns all unser Wissen rein gar nichts.
Wir können es auf uns und andere Menschen anwenden,
können uns Selbst coachen oder coachen lassen,
bis wir grün werden, denn schliesslich wissen wir das eh alles
schon. Wir durchschauen die Methodik, belächelnvielleicht innerlich
sogar den "netten Versuch" unseres Coachs oder Mentors
und bleiben dennoch betriebsblind für unsere Kernthemen.
Ich glaube, dass das tatsächlich die größte Gefahr für uns alle,
die wir im therapeutischen, beratenden, persönlichkeitsentwickelnden
Bereich tätig sind und dass es wirklich wichtig ist, immer wieder in
Kontakt zu kommen mit uns selbst, uns zu orientieren,
ganz bewusst wahrzunehmen und uns eben auch mal zuzugestehen,
dass wir es trotz all dieser wunderbaren Instrumente, Methoden,
Theorien oder gerade deswegen nicht allein schaffen.
Gut tun dann eben Menschen, Freunde, Familie, Partner,
die einen auf einer ganz menschlichen Ebene mal wieder erden können,
ohne irgendwelche Ratschläge, Hinterfragen oder Entwicklungsmethoden
uns ohne Umschweife sagen, wie es ist, wie ihre Wahrnehmung ist.
Für mich stellt sich damit gerade sehr deutlich dar, was dazu
geführt hat, dass ich mich eben vor vier Jahren sehr viel glücklicher
gefühlt habe, als in den letzten paar Wochen und nun kann ich
wieder einmal genau schauen, was ich brauche um mich glücklicher
oder besser "leichter" zu fühlen und noch aufmerksamer werden,
für die Momente in denen ich den Kontakt mit mir
selbst und meinen Gefühlen blockiere oder verliere.

Alles Liebe ~ Daniela


Mittwoch, 2. Dezember 2015

~ Unverschnörkelt ~

Viele Menschen bevorzugen ein Leben in Samthandschuhen,
wattiert, weichegspühlt, abgefedert und ich kann sogar
nachvollziehen, dass es sich so erheblich angenehmer lebt,
für viele von uns. Auch für mich übrigens für einen gewissen
Zeitraum, allerdings ertrage ich diese Zustände nicht so
lange. In Kompfortzonen entsteht keine Bewegung,
und Stillstand ist eben echt nicht mein Ding.
Mir sind Menschen sehr lieb, die den Mut haben,
die Wahrheit zu sagen, klar und deutlich.
Die ihren Punkt anbringen, ohne Schnörkel,
auch wenn´s eben mal weh tut, der Wahrheit ins Auge zu sehen.
Für den Moment ist mir dann hin und wieder mal
nach Feuer spucken, oder danach diesem Menschen
die Tür vor der Nase zuzuknallen, den Hörer einzuhängen
oder ihn gleich ganz aus meinem Leben zu verbannen.
(Zurück in die Kompfortzone, ist doch so muckelig da.)
Nur geht das eben nicht mehr so leicht, wenn man mal
über einen bestimmten Punkt in der eigenen Etwicklung
hinaus ist, nämlich über den Punkt alles immer wahnsinnig persönlich
und ablehnend zu sehen oder eine Opferhaltung einzunehmen,
die es ermöglicht diesen "bösen Menschen" zu beschuldigen
einen verletzen zu wollen. Das kann auch sein, aber wenn ich
mich so getroffen fühle, dann scheint es, als hätte dieser Mensch
etwas erfasst, was ich lieber nicht sehen würde.
Möglicherweise fühle ich mich ertappt und will das vor ihm
und mir verbergen. Zum Glück habe ich einmal entschieden
ehrlich zu mir selbst zu sein und damit die Möglichkeit
zu hinterfragen, was mich eigentlich so ärgert und
wenn ich mich selbst ertappe, wie ich gegen mein
eigenes Wertesystem arbeite, kann ich sofort damit aufhören,
wenn nicht, dann scheint der andere Mensch mit meinem
Wertesystem zu kollidieren und ich kann wählen,
wie ich gegebenenfalls damit umgehe.
Ich bin dankbar für jeden Menschen, der wahrhaftig ist,
der die Wahrheit sagen kann und auch mit den möglichen
Konsequenzen gut zurecht kommt.
Mich hat mal jemand gefragt, wie direkt ich es hören möchte,
daraufhin fragte ich ihn, wie direkt er denn sein könnte/möchte.
Er war ziemlich direkt, sehr ehrlich und wenig weichgespült.
Das kann nicht jeder und wir Menschen sind einfach
auch verschieden, leben in verschiedenen Wertesystemen
und bevorzugen verschiedene Umgehensweisen, vielleicht
ist es das, was uns die Kommunikation miteinander so schwer macht.
Warum fragen wir nicht einfach viel öfter, wie ehrlich, direkt,
oder eben sanft jemand sie hören möchte, die Wahrheit, nach der
wir gefragt werden!?


Alles Liebe ~ Daniela


Dienstag, 1. Dezember 2015

~ Leben im Bildschirmmodus? ~

Was steckt dahinter, dass Menschen ihr gesamtes Leben auf Facebook
offenlegen? Das scheinbar jedes Detail einer Liebesbeziehung,
eines Lebens dargestellt, inszeniert werden muss, von Menschen,
die scheinbar nicht einmal beruflich davon profitieren.
Manchmal bekomme ich wirklich Angst, wenn ich sehe,
wie Menschen mit dieser virtuellen Welt zu verschmelzen scheinen.
Das Haus, das Boot, die Frau, der Mann, die Kinder, der Hund,
das Mittagessen, die Toilettenlektüre, die Ankündigung der Scheidung,
die Liebserklärung, alles findet öffentlich und sichtbar für
jeden statt und jeder hat auch plötzlich `ne Meinung dazu,
oder sogar mehrere, eine öffentliche, die meistens gerade so ausfällt,
wie es von der Mehrheit gewünscht wird, eine private, die hinter
vorgehaltener Hand und jenseits der Öffentlichkeit kundgetan wird
und vielleicht sogar noch eine, die vor dem Menschen selbst bestand
hat, der sich eine Meinung oder besser ein Urteil bildet.
Nein, ich werde Euch jetzt nicht sagen, dass Facebook und Co.
die Beziehungskiller Nummer Eins sind, oder, dass wir ja schon fast
gezwungen werden mitzumachen, bei diesem Schaulaufen.
Dass Seelenstriptease  doch irgendwie dazu gehört und der ewig
wechselnde Beziehungsstatus ja auch irgendwie wichtig ist,
um immer gleich informiert zu sein, ob man mit der Tür ins Haus fallen
kann, oder lieber die charmanten Umwege über die dämlichsten aller
Fragestellungen nimmt.
Wir sind nämlich hoffentlich alle schon reif und urteilsfähig genug,
um zu unterscheiden, dass das hier bestenfalls eine anonymisierte Spiegelung
des echten Lebens ist. Dass wir es größtenteils mit Menschen zu tun haben,
die sich hier mal so ganz anders zeigen, als sie in Wahrheit sind,
weil es anscheinend so viel leichter ist sich in einem scheinbar
anonymisierten Medium so zu geben, wie man eigentlich schon immer
gerne wäre, wenn man sich nur trauen würde.
Aber mal im Ernst, wie ECHT können diese Momentaufnahmen denn sein,
wenn in jedem entscheidenden Augenblick die Kamera gleich dabei ist
und gewollt oder gekonnt, sicher aber gezielt Menschen, Orte,
Situationen ablichten, die natürlich auch den Augen aller "Freunde", "Follower",
standhalten. Ich frage mich das schon immer, denn irgendwie hatte ich
in den bedeutendsten Stunden meines Lebens keine Kamera griffbereit,
noch habe ich in diesen Situationen daran gedacht und selbst bei
Konzerten scheint es so zu sein, dass Menschen das Handy mit Teleskopstange
in der einen Hand, die E - Zigarette in der anderen Hand, auf ihre Monitore
starren auf der Jagd nach dem perfekten Bild
und gar nicht mehr berührbar sind, für das was da gerade passiert.
In Gesprächen mit anderen Menschen auf´s Handy starren, um mal
eben noch `ne E- Mail zu verfassen.
Sich nicht mehr in die Augen sehen, stattdessen aber in jeder Sekunde checken,
ob sich ein Profilbild verändert hat oder wer gerade einen Beitrag
kommentiert hat.
Nein, ich verteufele diese Sozialen Neztwerke nicht, nutze ich
einige von ihnen doch selbst regelmäßig und bisher auch
aus der Überzeugung, dass es ein Weg ist Menschen zu begegnen.
Was hin und wieder sicher auch geschieht, nur und das gilt es wirklich
zu unterscheiden, sind diese Begegnungen keine realen Begegnungen.
Ich höre keine Stimme, sehe keine Mimik, keine Gestik
ich kann erahnen, welcher Mensch sich hinter welcher Maske
verbirgt, aber ich werde es erst dann sicher wissen können,
wenn Begegnungen auch in der Realität stattfinden und da ist
es dann meiner Erfahrung nach so, dass die wenigsten Menschen
wirklich so sind, wie sie sich in diesen sozialen Netzwerken darstellen,
wie auch, es sind ja immer nur Augenblicksaufnahmen,
Schokoladen oder Gruselseiten, die wir von uns zeigen,
eben gerade je nach Stimmung oder wie man sich eben selbst am liebsten
wahrnimmt.
Ganz sicher haben wir alle, die wir diese Medien benutzen einen guten
Grund das zu tun, mancher erschliesst sich mir jedoch nicht.

Geben wir alle gut Acht, dass wir neben all den Inszenierungen
und dem vermeintlichen teilhaben lassen auch noch etwas
von dem Leben mitbekommen, das in jeder Sekunde dort stattfindet,
wo wir uns eben befinden, mit den Menschen, die um uns sind
und den bezaubernden Augenblicken, die viel kleiner werden,
durch den Sucher oder Monitor! ;-)


Alles LIEBE ~ Daniela