Sonntag, 8. Februar 2015

WellenSONNtag mit Rilke: Der Abenteuerer ~

  Der Abenteuerer
                       I
Wenn er unter jene welche waren
trat: der Plötzliche, der schien,
war ein Glanz wie von Gefahren
in dem ausgesparten Raum um ihn,
den er lächelnd überschritt, um einer
Herzogin den Fächer aufzuheben:
diesen warmen Fächer, den er eben
wollte fallen sehen. Und wenn keiner
mit ihm eintrat in die Fensternische
(wo die Parke gleich ins Träumerische
stiegen, wenn er nur nach ihnen wies),
ging er lässig an die Kartentische
und gewann. Und unterließ
nicht, die Blicke alle zu behalten,
die ihn zweifelnd oder zärtlich trafen,
und auch die in Spiegel fielen, galten.
Er beschloß, auch heute nicht zu schlafen
wie die letzte lange Nacht, und bog
einen Blick mit seinem rücksichtslosen
welcher war: als hätte er von Rosen
Kinder, die man irgendwo erzog.
                           II
In den Tagen - (nein, es waren keine),
da die Flut sein unterstes Verlies
ihm bestritt, als wär es nicht das seine,
und ihn, steigend, an die Steine
der daran gewöhnten Wölbung stieß,
fiel ihm plötzlich einer von den Namen
wieder ein, die er vor Zeiten trug.
Und er wußte wieder: Leben kamen,
wenn er lockte; wie im Flug
kamen sie noch warme Leben Toter,
die er, ungeduldiger, bedrohter,
weiterlebte mitten drin;
oder die nicht ausgelebten Leben.
und er wußte sie hinaufzuheben,
und sie hatten wieder Sinn.
Oft war keine Stelle an ihm sicher,
und er zitterte: Ich bin - - -
doch im nächsten Augenblicke glich er
dem Geliebten einer Königin.
Immer wieder war ein Sein zu haben:
die Geschicke angefangner Knaben,
die, als hätte man sie nicht gewagt,
abgebrochen waren, abgesagt,
nahm er auf und riß sie in sich hin;
denn er mußte einmal nur die Gruft
solcher Aufgegebener durchschreiten,
und die Düfte ihrer Möglichkeiten
lagen wieder in der Luft.

~ Rainer Maria Rilke ~

 

Samstag, 7. Februar 2015

~ GEHEN & BLEIBEN ~

Wenn Du keinen Grund erkennen kannst zu bleiben, musst Du gehen.
Du kannst nicht bleiben, wo Du nicht hingehörst und innerlich weisst Du
das ganz genau. Du kannst es hinauszögern bis ins äusserste,
Du kannst Dich selbst zwingen, Du kannst Dich zwingen lassen
und dennoch ist es nur eine Frage der Zeit und dann MUSST Du gehen,
wenn Du leben willst.
Mit Leben meine ich nicht, das nebeneinander herleben,
das ewige jemand sein zu wollen, der Du nicht bist.
Eine Rolle zu spielen, die Du Dir nicht einmal ausgesucht hast.
Abgestumpft irgendwie und gefühlsbetäubt.
Wenn Du nun keinen Grund mehr erkennen kannst,
zu bleiben und auch wenn Dir tausende Gegenargumente einfallen
nicht zu gehen, es macht keinen Sinn.
Du wirst dort wo Du bist nicht glücklich sein können,
vielleicht nicht einmal mehr für Augenblicke.
Wenn Du Angst hast, geh trotzdem, mir hat mal jemand gesagt:
"Spring und ein Netz wird sich auftun!"
Ich bin gesprungen und das Netz tat sich auf.
Es war ein langer Flug und das Netz war so etwas wie ein Fallschirm,
es fühlte sich zunächst wie fliegen an,
wie ein in die Freiheit schweben.
Doch ich verlor langsam an Höhe und mit jedem Meter verlorener Höhe,
erschloss sich mir ein Meter Tiefe.
Als ich irgendwann in Bodennähe war, versuchte ich krampfhaft
die Landung herauszuzögern, verwendete so viel Kraft darauf, dass
ich gar nicht bemerkte, dass ich bereits gelandet war,
ganz sanft und auf einem Boden, den ich in dieser Intensität
nie zuvor gespürt hatte.
Nun begann ich mit ganz vorsichtigen Schritten zunächst einen Weg zu finden,
aber da war keiner, also musste ich meinen eigenen gehen.
Es macht FREUDE und es ist anstrengend,
von Zeit zu Zeit muss ich mich mal vergewissern, dass ich mich nicht verlaufen habe,
bis mir einfällt, dass das ja gar nicht geht, weil ich den Weg ja selbst erschaffe,
manchmal ändere ich die Richtung ein wenig,
aber mein Ziel ist die Sonne, der folge ich.
Der Sonne in meinem Herzen, die dort wärmt, glüht, brennt und
strahlt und ab und an mal eine kalte Regendusche bekommt.
Manchmal da bleibe ich,
aber wenn ich in mir spüre, es gibt keinen Grund (mehr),
dann muss ich gehen.

HERZlich ~ Daniela



Freitag, 6. Februar 2015

~ Klug & klüger ~

"Klugscheisser sterben nie aus!"

Ich erinnere mich nicht mehr, wer das einmal zu mir sagte,
aber es ist sicher 25 Jahre her.
Und was soll ich sagen, er hatte recht.
Es gibt echt immer wieder Leute, die zu allem ihren Senf abgeben müssen,
nicht, dass sie tatsächlich etwas zu erzählen oder zu einem Gedankenaustausch
beizutragen hätten. Nein, die belehren gleich. Sie wissen einfach alles
und das natürlich auch, weil sie das alles schonmal irgendwo gehört oder gelesen haben.
Weil die Nachbarin es auch so macht, oder weil der Zeitungsstandverkäufer auch ihrer
Meinung war.
Mal nachgefragt, wie sie denn bestimmte Situationen erlebt haben,
oder wie sie damit umgehen, stellt sich schnell heraus,
dass sie nichts von dem erlebt haben.
Die Klugscheisser leben nämlich ein "perfektes" Leben,
klar, sie leben ja auch das Leben der anderen.
Sie lesen Meinungen in der hinlänglich bekannten Boulevardpresse,
da stehen nämlich die neuesten psychologischen Erkenntnisse detailliert
aufgelistet. Nach dem Motto: Wer grün mag, ist ein Alien!
Medizinisch bewandert sind sie auch und geizen natürlich nicht
mit Diagnosen: "Halsschmerzen (betroffener Blick), Du das ist sicher Kehlkopfkrebs!"
Ganz obskur wird es, wenn´s um Liebesthemen geht.
Das eigene Liebesleben dieser Menschen mal ausgeklammert, denn da ist ja alles
"perfekt" versteht sich von selbst.
Aber wie genau Beziehungen funktionieren, stand doch in dem Ratgeber,
der neulich der Apothekenzeitschrift beilag. "99 konservierte Wege die Mechanik einer
Beziehung zu erlernen."
Punkt 1: Sag nie was Du denkst!
Punkt 2: Tu so als wüsstest Du alles!
Punkt 3: Zeige Dich nie wie Du bist!
Punkt 4: Sofort festtackern und Bewegungsunfähig machen!

Das geht natürlich noch so weiter bis man die 99 Wege durch hat, aber glaubt
mir, es wird nicht besser, spätestens wenn Sex zum Thema wird,
fragt man sich, wie genau man nun in die Situation geraten ist, diesem Menschen
zuzuhören.

Weiter geht´s mit der Kindererziehung,
auch da gibt es die abstrusesten Tipps,
ungefragt, eingetütet und zum mitnehmen.
Klugscheisser Nr. 1 berichtet aus seinem reichen Erfahrungsschatz
als Eltern. Ob man´s  hören will oder nicht,
am Ende ist man bestens informiert darüber, wie man´s auf keinen Fall
machen will, wenn man in die verstörten Augen des Kindes blickt,
das brav nickend neben seinen Eltern steht.
Klugscheisser Nr. 2 propagiert Antiautoritäre Erziehung,
man muss die Kinder einfach machen lassen.
Also, rauf auf den morschen 6 Meterbaum, mit Betonplatte drunter,
was machen schon ein paar gebrochene Knochen oder gar ein gebrochenes Genick?
"Sollen sie doch mal über eine 4 spurige, befahrene Straße laufen, dann werden sie
schon merken, dass das gefährlich ist, gibt eh viel zu viele Autos auf der Welt"

"Und wieviele Kinder haben Sie?"

"KEINS! - aber einen Hund und Pflanzen."

Meinen Gesichtsausdruck zu beschreiben, erübrigt sich an dieser Stelle vielleicht.

Bleibt noch die Frage, wozu tun die das?
Ich bin mir sicher in irgendeinder Zeitschrift finden wir die Lösung,
im Notfall bleiben die Ratgeber und wenn die nicht helfen,
hilft mir: Durchzug und eine geballte Ladung Humor! ;-)

Ich wünsche Euch einen vergnügten FREItag!

HERZlich ~ Daniela







Donnerstag, 5. Februar 2015

~ Wellendonnerstag mit Nietzsche ~

Sternen-Moral

Vorausbestimmt zur Sternenbahn,
Was geht dich, Stern, das Dunkel an?

Roll' selig hin durch diese Zeit!
Ihr Elend sei dir fremd und weit!

Der fernsten Welt gehört dein Schein:
Mitleid soll Sünde für dich sein!

Nur Ein Gebot gilt dir: sei rein! 

~ Friedrich Nietzsche ~

Habt einen schönen Tag!

HERZlich ~ Daniela


Mittwoch, 4. Februar 2015

~ Glücksmomente ~

Es ist mal wieder Zeit für ein wenig Augenblicksglück:

Wenn Du nach einem "kurzen" Telefonat mit Deiner Freundin registrierst,
dass ihr annähernd 6 Stunden miteinander gesprochen, gelacht, euch berührt,
habt und ihr Euch immer noch etwas zu erzählen hättet.
Wenn Sonnenstrahlen an einem kalten Wintertag durch die kahlen
Äste blinzeln,
wenn die kühle Winterluft Gedanken und Rotznasen frei pustet
und Du vertieft in Deine Gedankenwelt plötzlich ein lautes Krächzen
vernimmst, Deinen Blick hebst und in den Ästen über Dir 2 Raben
und eine Elster unermüdlich ihr Lied singen,
wenn Du am Wegrand eine Schnecke entdeckst, die langsam
und geduldig ihrem Weg folgt,
wenn dann plötzlich Dein Handy klingelt,
Du das Gespräch annimmst und Deine Tochter Dir vergnügt
ins Ohr ruft: "Mama, ich hab Dich lieb!" und Dir fröhlich
von ihrem Tag erzählt.
Wenn Du dann nach Hause kommst, bei einer Tasse Kaffee
Deinen Blog schreibst,
und all diese kleinen Augenblicke Revue passieren lässt,
wenn dann im Hintergrund Deine Lieblingsmusik spielt
und Du kurz innehältst, weil diese Töne Dein Herz berühren,
wenn Du Dich auf einen entspannten Abend freust,
auf ein warmes Bad, eine Tasse heissen Tee, ein gutes Buch,
oder einfach mal Deinen Gedanken freien Lauf lässt,
ein wenig träumst.
Wenn es Dir gelingt zwischen dem alltäglichen Stress,
mit bellendem Husten und einem Kopf, der sich wie eine Rennbahn
anfühlt, diese leisen, belebenden und so wichtigen Augenblicke wahrzunehmen,
sie in Dich einzusaugen,
dann finde ich, ist das ein großes Glück!

Genießt die WochenMITTE ihr LIEBEn! 





Dienstag, 3. Februar 2015

~ WellenGEDANKEn ~

"Denk nicht so viel!"

Hört ihr diesen Satz auch immer mal wieder?
Welch` ein Unfug.
Mal abgesehen von der Tatsache, dass ein Mensch nicht nicht denken kann,
und es meines Erachtens auch wenig erstrebenswert ist, das Denken aufzugeben,
meint dieser Satz vielleicht das Grübeln?
Welches in  endlosen Gedankstaus enden kann aber nicht muss?
Meine Aufforderung ist:
DENKT MEHR!
DENKT differenziert!
Stellt Fragen, Euch selbst und anderen!
Definiert was das Zeug hält und überdenkt diese/ Eure Definitionen
von Zeit zu Zeit!
Wechselt einmal gedanklich die Perspektive!
Dann wird Denken nämlich lebendig,
plötzlich erkennen wir, dass es unglaublich viele Betrachtungsweisen
gibt, wir denken weiter, schaffen uns unsere eigene Perspektive.
Sind nicht angewiesen auf die Sichtweisen und Gedanken, die andere
Menschen für uns gedacht haben.
Wir lernen freier zu denken.
Übrigens ist dieses "frei"denken nicht zwangsläufig
"positiv"denken, wenn ich mir diese  zum Himmel schreienden
Anleitungen zum positiven Denken ansehe, überkommt mich
gleich ein Schauer. Wie könnten Gedanken frei sein,
differenziert sein, wenn ich nur in eine Richtung blicke
und was hat das dann noch mit meiner eigenen Gedankenwelt zu tun?
Je freier und differenzierter ich denke, desto positiver empfinde ich es,
weil ich zu jeder Zeit die Möglichkeit habe zu unterscheiden und zu wählen,
welchen Gedanken ich weiter denken möchte.
Entgegen der landläufig verbreiteten Meinung, Denken und Fühlen
wären trennbar und Fühlen sei das bessere Denken,
gebe ich zu bedenken, dass jeder Gedanke ein Gefühl auslöst und
jedes Gefühl einen Gedanken.
Es macht natürlich Sinn Menschen glauben zu lassen,
es sei allein ihr "Gefühl", dass Entscheidungen treffen könnte.
Eine Entscheidung ist immer ein Zusammenspiel aus Gefühlen und Gedanken.
Aus Erfahrungen, die ich gemacht habe und bestenfalls aus dem Antrieb heraus
neue Erfahrungen zu machen.
Er klingt vielleicht abgedroschen dieser Spruch,
dennoch gibt er mir eine Richtung:

"Folge Deinem Herzen und nimm Dein Gehirn mit!"

Ich muss kein "Denker"  sein,
um Freude am Denken zu haben
und ich muss auch kein "Verstandesmensch" (komisches Wort) sein,
um differenziert Denken zu können.
Ich muss nicht aufhören zu fühlen, um zu denken,
und nicht aufhören zu denken, um zu fühlen,
beides ist NICHT möglich.

Wenn ihr Lust habt, denkt mal drüber nach! ;-)

Habt einen schönen Dienstag!

HERZlich ~ Daniela





Montag, 2. Februar 2015

~ SteinWELLEN ~

Ich starte mit einer Bronchitis und einer gelinde gesagt angeschlagenen Stimme
in die neue Woche. Dann rede ich wohl einfach mal weniger und beschränke mich
auf´s schreiben. Weil mir aber auch dazu heute die Muße fehlt und ich
mir einfach mal einen Sonntag im Zeichen des chilligen
Durchlebens einer Sturmflutwelle gegönnt habe, teile ich einfach
nochmal meine Steinwellengeschichte mit Euch:

~ SteinWELLENgeschichte ~


In einem fernen Land lebte einmal ein kleiner Junge,
der kein anderes Spielzeug besaß,
als einen kleinen, weissen Stein, den er hütete, wie seinen Augapfel.
Kein anderes Kind aus dem Dorf des Jungen, konnte verstehen,
wie kostbar der Stein für Ihn war.
Sie lachten über Ihn.
Keiner wusste schließlich,
dass dieser Stein etwas ganz besonderes war.

Eines Tages, der Junge war durstig in den Bergen umhergelaufen,
um die einzige Erwerbsquelle seiner Familie zu suchen,
eine entlaufene Ziege, deren Milch sie an wohlhabendere Nachbarn verkauften.

Der Wasserbehälter des Jungen war seit Stunden leer getrunken.
Die heiße Mittagssonne brannte auf seinem Haupt,
als ihn ein plötzlicher Schwindel überkam.
Er setzte sich auf einen Felsvorsprung und betete,
Gott möge ihm ein Zeichen geben, um die Ziege finden zu können
oder wenigstens etwas Wasser.
Als der Junge sich ein wenig erholt hatte,
und sich entschieden hatte zurückzukehren zu seiner Familie,
ihnen die schlechte Nachricht zu überbringen,
dass die Ziege, nicht auffindbar sei,
konnte er die enttäuschten Gesichter seiner Eltern
bereits vor seinem geistigen Auge erkennen.

Da sah er etwas in der Sonne glitzern, sehr schwach,
aber mit einer gewaltigen Anziehungskraft,
der Junge überlegte, dass es ihn noch mehr Kraft kosten würde,
diesem glitzernden Etwas zu folgen, aber seine Neugier war stärker.
Er stieg einige Felsen hinab.
Das Leuchten wurde immer heller,
und die Umrisse des glitzernden Etwas immer besser zu erkennen.

Es war ein Stein.
Er sah aus wie jeder andere Stein, der sich in dieser Gegend in Gebirgsbächen befand.
Ein Stein, der halb bedeckt von kristallklarem Wasser, die Sonnenstrahlen reflektierte.
Der Junge freute sich, er war gerettet.
So stieg er den letzten Felsen hinab, und füllte sein Gefäß mit Wasser,
er trank einen kräftigen Schluck,
bevor er sich bückte, um seinen besonderen Stein aufzuheben.
Er hielt den Stein fest in seiner Hand und küsste ihn.
Als er seinen Blick hob, um sich auf den Heimweg zu machen,
sah er einige Meter weiter seine Ziege, aus dem Bach trinken.
Er dachte, wie gut es ihr wohl tun musste,
dieses so seltene, klare Wasser zu trinken,
so dass er für einen Augenblick überlegte, ohne Ziege zurückzukehren, zu seiner Familie.
Doch wovon sollte die Familie, dann leben?
Noch bevor er diesen Gedanken zu Ende gedacht hatte,
bewegte die Ziege sich in seine Richtung
und folgte ihm freiwillig durch die felsige Berglandschaft
zurück zur alten Hütte seiner Eltern.

Den Stein trug der Junge, während des gesamten Weges,
ganz nah an seinem Herzen.
Seine Eltern empfingen ihn sehnsüchtig,
und waren froh, dass er die Ziege gefunden hatte und heil heimgekehrt war.
Nachdem der Junge seinen Eltern erzählte, was geschehen war,
gerieten sie in einen regelrechten Freudentaumel.
Von nun an gingen sie Tag für Tag zum Bach
 um sich selbst und ihre Ziege zu tränken.
Die von nun an auch gleich ein Vielfaches ihrer Milch gab,
so dass die Familie bald mehrere Ziegen kaufen konnte,
und stetig reicher wurde.
Es dauerte ein Jahr,
bis die Familie in ein richtiges Haus ziehen konnte,
der Junge ein eigenes Zimmer bekam, und die Ziegen einen Stall.
Seit dem Tag in den Bergen trug der Junge seinen Stein,
stets in seinem Lederbeutel bei sich.
Er holte ihn nur zum spielen heraus,
und da keines der anderen Kinder etwas mit seinem Spiel anfangen konnte,
spielte er meist allein.
Manchmal tröstete der Stein - der ihn manchmal einsam werden ließ -
mit seiner grenzenlosen Schönheit über seine Einsamkeit hinweg.

Als der Junge eines Tages wieder einmal allein auf einem Felsen saß
und seinen Stein betrachtete, hörte er aus der Ferne ein leises weinen.
Der Junge kletterte den Felsen hinab und folgte dem immer lauter werdenden Geräusch.
An dem Bach, wo er einst seinen Stein gefunden hatte,
saß ein kleines Mädchen und weinte bitterlich.
"Warum weinst Du?" fragte der Junge.
Das Mädchen sah überrascht auf.
"Du wirst über mich lachen, wie all die anderen Kinder."
sagte das Mädchen immer noch weinend.
"Nein, ich werde nicht über Dich lachen,
das verspreche ich Dir, ich verrate Dir mein Geheimnis,
über das die anderen Kinder auch immer lachen,
damit Du weisst, dass Du mir vertrauen kannst."
Das Mädchen sah den Jungen immer noch etwas misstrauisch
und dennoch neugierig an.
"Ein Geheimnis?" fragte sie erstaunt.
"Ja, schau mal!"
Der Junge öffnete seinen Brustbeutel,
zeigte dem Mädchen seinen Stein und erzählte ihr seine Geschichte.
Es wunderte ihn sehr, dass sein Geheimnis sie nicht beruhigte,
sondern sie stattdessen immer mehr weinte.
Ratlos sah der Junge sie an.
Als sie schluchzend zu erzählen began,
dass sie auch einen solchen Stein hatte,
sie habe ihn in einem unachtsamen Augenblick fallen lassen
und nun läge er im Bach zwischen all den anderen Steinen
und sie könne nun nicht mehr erkennen, welcher ihrer sei.
Der Junge lächelte.
Er bat das Mädchen aufzustehen und mit ihm gemeinsam
einen kleinen Schritt vom Bachufer zurückzutreten.
Als die beiden sich ein wenig entfernt hatten,
und sich zeitgleich wieder umdrehten,
glitzerte am Ufer des Baches ein einziger Stein, leuchtend in der Sonne.
 "Mein Stein."
Das Mädchen lächelte, sie hob ihn auf,
und drückte ihn voller Freude an ihr Herz.
Sie dankte dem Jungen und umarmte ihn.
Von nun an spielten die beiden,
beinah täglich gemeinsam mit ihren Steinen
und freuten sich einander begegnet zu sein.

Habt einen guten Start in die neue Woche!

HERZlich ~ Daniela