Freitag, 13. September 2013

~ Elfen(t)raum ~

„Guten Tag,“ sagte der Sonnenstrahl, „Sie sind so schnell unterwegs, wo fliegen sie denn hin?“
Hoppla, die Elfe schaute sich um, sie konnte nichts erkennen.
Das Licht blendete sie so sehr, sie war einfach losgeflogen, sie hatte geträumt und nicht bemerkt,
wie nah sie sich ans Licht gewagt hatte.
Sie blinzelte und erkannte im Licht die Umrisse einer Gestalt.
Diese Umrisse wirkten so mächtig, nicht leicht und sanft, wie die einer Elfe.
Sie wirkten schwer und bedrohlich. Was das wohl sein mochte, was sich wohl dort entdecken ließe,
noch näher am Licht, fragte sich die Elfe still.
Sie erschrak, weil ihr bewusst wurde, dass sie hierher geflogen war, ohne auf den Weg zu achten,
sie hatte geträumt, von ihrem magischen Ort, ein Ort am Meer.
Dort würde sie ein lange verlassenes Haus erwarten, ein schweres, verwittertes Eisentor würde sie mit all ihrer Kraft bewegen um über einen steinigen Weg das Haus zu erreichen.
Es ist ein wirklich altes Haus, die Mauern haben gelitten durch Wind und Sonne.
Die Elfe öffnet eine Holztür, es lässt sich an einigen Stellen erahnen, dass diese Tür einmal  blau angestrichen war, das musste allerdings sehr lange her gewesen sein.
Sie betritt den Flur, es ist dunkel und staubig dort drinnen, sie öffnet alle Türen die sie findet und plötzlich erstrahlt das Haus in hellem Licht, es würde viel zu tun geben, denkt sie und dass dies ihr Paradies ist.
Hier will sie sein, sie träumt sich das Haus in den buntesten Farben, den Garten voller Zitrusfrüchte - und Olivenbäume.
Hier soll ein Ort des „sich fühlens“ entstehen, ein Ort der Begegnung.
Eine Oase des Lichts, inmitten einer kargen Vulkanlandschaft, in unmittelbarer Nähe des Ozeans.
Dieser Ort erinnerte sie an ihren Ursprung, hier fühlte sie sich zu Hause.
Unterdessen war sie wohl einfach losgeflogen und fand sich so nah am hellsten aller Lichter wieder.
Die Elfe liebte das Licht, doch bisher war es eher etwas gewesen, das sie sehnsuchtsvoll aus der Ferne betrachtete, wie auch ihren Traum vom Paradies.
Zu sehr war sie damit beschäftigt ihren Platz auf der Erde, zwischen all den Menschen zu finden, sie wusste immer dass, es einen Grund gibt, der sie an diesen Ort und in diese Zeit schickte und doch hatte sie immer mal wieder das Gefühl, sie passe dort nicht hin, in letzter Zeit wurde es schleichend immer intensiver.
Nun hatte sie wohl etwas in die Nähe des Lichtes gezogen.
Sie versuchte erneut die Augen zu öffnen und wieder gelang ihr nur ein blinzeln, jetzt sah sie etwas genauer. Die Umrisse der Gestalt wurden zu einem riesigen Schatten, der sich vor Ihr aufbäumte.
In diesem Augenblick erkannte sie, dass es ihre eigene Silhouette war, die sie dort sah.
Ein riesiger Schatten ihrer Selbst, der erstaunlicherweise nicht mehr so bedrohlich wirkte, er lächelte sogar recht freundlich, fast einladend.
Dort oben im Licht, entdeckte die Elfe ihren Mut.
Flügelschlag für Flügelschlag näherte sie sich dem Schatten ein wenig mehr.
Ihr war so, als würde sie von weit her das Echo einer ihr vertraute Stimme hören, die sagte: „Geh weiter, flieg, Du kennst die Richtung und Du weißt Du kannst es. Ich hab´s gesehen.“
Berührt vom Echo und der Melodie ihres Herzens, tat die Elfe den letzten Flügelschlag, der sie in ihrem eigenen Schatten verschwinden ließ.
Es war dunkel hier und kalt.
Die Elfe spürte eine unfassbare Wut in sich aufsteigen, was tat sie hier nur und wozu zeigte ihr dieser Schatten ihren Lebensfilm, all die Episoden, die sie sich schon einmal angeschaut hatte, vor nicht allzu langer Zeit,
den Schmerz, die Traurigkeit, lähmende Angst, Selbstbegrenzung, Abhängigkeit.
Sie wollte das alles nicht noch einmal sehen, dennoch hatte sie den Weg hierhin gefunden,
geleitet von etwas, das der Verstand ihr nicht erklären konnte.
Sie durchlebte erneut und in einer vorher nicht gekannten Intensität und Geschwindigkeit, alle Tiefen ihres bisherigen Lebens.
Als der Film endete, fühlte sie sich, als hätte sie Jahre nicht geschlafen, als hätte ihr etwas all Ihre Energie entzogen.
Sie brauchte einen Augenblick Ruhe und schloss die Augen.
Sie schlief ein und träumte.
Sie träumte, sie sei ganz nah ans hellste aller Lichter geflogen und dort ihrem Schatten begegnet, der ihr ihren eigenen Lebensfilm zeigte.
Sie träumte, dass in diesem Augenblick etwas merkwürdiges geschah.
Die Elfe und ihr Schatten wurden EINS.
Die Dunkelheit, die ihr vorher so bedrohlich erschien wurde zu einem selbstverständlichen Teil von ihr.
Sie öffnete die Augen und blickte wieder ins Licht.
Sie war orientierungslos, hatte sie wirklich geträumt?
Sie suchte den Schatten.
Was sie erblickte, diesmal mit weit geöffneten Augen, war so atemberaubend schön,
dass die Freude ihr Tränen schenkte.
Sie sah die SONNE so HELL & in ihrer PURen, einzigartigen SCHÖNheit.
Um die Sonne herum tanzten die unterschiedlichsten Lichtwesen und sangen ihr Lied.
In diesem Augenblick wusste die Elfe, sie waren mit ihr dort gewesen,
sie hatten den Film gemeinsam mit ihr geschaut und sie würden immer da sein, in jeder Sekunde ihres Lebens.
Sie war erfüllt mit Liebe und Dankbarkeit!
Die Elfe spürte, dass sie nun zurück musste.
Sie würde diesen Augenblick zeitlebens nicht vergessen und immer, wenn sie nun ins Licht blicken würde, wäre sie erfüllt von diesem Gefühl der Liebe, des Eins seins und sie könnte wann immer sie wollte hierher zurückkehren.
Sie atmete tief und machte sich von den leiser werdenden Stimmen begleitet auf den Heimweg. Diesmal schaute sie sich genau an, was sie sah, sie hörte jedes Geräusch, sie roch und schmeckte die unterschiedlichen Atmosphären, die sie durchflog und sie fühlte die feinsten Veränderungen auf ihrer Haut.
Eine überbordende Freude breitete sich in Ihr aus.
Zu Hause angekommen dachte sie nach, über dieses Ereignis.
Ihr wurde bewusst, dass etwas sehr bedeutsames geschehen war.
Sie hatte vorher oft darüber nachgedacht und versucht zu verstehen, dass Licht & Dunkelheit untrennbar miteinander verbunden sind.
Nichts auf dieser Welt würde LEBEN ohne einen Gegensatz,
nichts wäre spürbar und es würde kein Gleichgewicht geben.
Ihr wurde immer klarer, dass der einzige Schmerz, den es wirklich zu überwinden galt TRENNUNGSSCHMERZ ist, denn in Wahrheit sind wir es immer Selbst,
die uns trennen, von dem was größer ist als wir, von dem Gefühl verbunden zu sein,
weil Licht&Schatten gegeneinander ankämpfen in uns und in der Welt um uns herum.
Ihr wurde bewusst und zum ersten mal konnte sie wirklich FÜHLEN, was sie schon lange ahnte,
dass es darum geht ein Gleichgewicht zu finden,
Verbindungen zu schaffen, Brücken zu bauen.
Lichtquellen zu erschliessen in der Dunkelheit.
Damit fühlte sich plötzlich der Weg zu ihrem Traum,
dem Ort des Lichtes, das Haus am Meer, leichter an,
das Bild dazu wurde klarer und verankerte sich zu einem Ziel,
denn sie wusste es gab noch viele Brücken zu bauen und einige Lichtquellen zu erschliessen,
auf ihrem Weg dorthin.



Dienstag, 10. September 2013

~ Weltschmerz oder Gesellschaftsfragen ~

"Weltschmerz", sagte sie. "Du trägst den Schmerz der Welt und Du wirst darunter zusammen brechen."


Das stimmt so nicht, dachte ich. Ich spüre Schmerz. Einen Schmerz, der auch mit mir zu tun hat. Ich sah eine Dokumentation über Kinder mit einer Bipolaren Störung, ich sah, wie diese Kinder teilweise im Kleinkindalter mit Medikamenten vollgepumpt werden, ich sah, und das erschütterte mich vielleicht am meisten, mit welcher Selbstverständlichkeit diese Kinder die Medikamente zu sich nahmen, die ihnen ihre Eltern mit einer noch größeren Selbstverständlichkeit verabreichten. Ich höre es in meinen Ohren laut dröhnen, die Stimme eines zehn jährigen Mädchens, welches erklärt, dass sie diese Medikamente nimmt, damit sie kontrollierbar werde. Ich höre die Stimme der Mutter eines drei jährigen Jungen, die erklärt, sie verabreiche ihrem Sohn 3 verschiedene Medikamente, um seine Wutanfälle zu bändigen. Währenddessen schlägt ihr Sohn Wäsche in den Fernseher, der während der gesamten Aufnahmen dieser Familie monoton im Hintergrund läuft.


Ich bin Mutter und ich war Kind.
Ich erinnere mich gut an die Gefühle eines Kindes.
Ich erinnere mich an den Schmerz, wenn ich das Gefühl hatte etwas falsch oder nicht gut genug zu machen. Ich erinnere mich an meine Verwirrung, wenn ich einem Erwachsenen eine Freude machen wollte, indem ich Schokoladenkuchen mit Blumenerde auf dem Wohnzimmerteppich backte und dafür bestraft wurde. Ich erinnere mich daran wie furchtbar wütend ich wurde, wenn ich den Menschen erzählte, ich sei soeben zurückgekehrt aus meinen Ferien in Bullerbü, und sie mich auslachten und mir erklärten, ich wäre nicht dort gewesen.
Möglicherweise wäre ich heute ein Kind mit einer bipolaren Störung, auffällig in jedem Fall.


Nun bin ich selbst Mutter und weit entfernt davon perfekt zu sein.
Meine Kinder bekommen Wutanfälle, sind traurig,
erzählen mir die wildesten Phantasiegeschichten und bringen mich von Zeit zu Zeit an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Ich verliere die Nerven und dann schreie ich auch mal. Es gibt Tage, an denen ICH gestresst bin, mich nicht gut fühle oder einfach Zeit für mich brauche. Meine Kinder spüren das zu jeder Zeit und versuchen, wie alle Kinder diese Energien auszugleichen und wenn das nicht gelingt, versuchen sie die Aufmerksamkeit anders auf sich zu lenken - sie werden auffällig - was mehr über mich, als über meine Kinder aussagt. 


Einmal, ich war ca. im 7. Monat schwanger mit meiner ersten Tochter, dachte ich über mein Mutter werden nach, versprach ich diesem Wunder in meinem Bauch etwas, ich versprach meiner Tochter zu jeder Zeit zu versuchen authentisch zu sein, ihr soviel Liebe zu geben, wie sie brauchen würde und ich zu geben in der Lage bin und ich versprach meiner Tochter, sie zu sehen, wie sie ist. Sie zu begleiten und ihr die Möglichkeit zu geben, sich so frei wie möglich zu entwickeln.
Manchmal gelingt es mir nicht, weil ich mich immer wieder in alten Erziehungsmustern finde, oder weil mir der Spagat zwischen „unserer“ Art zu leben und der Ansicht eines in meinem Empfinden kranken Systems, wie wir zu leben hätten nicht gelingen will.


Bei den Worten Anpassung und Kontrolle, bemerke ich einen Würgereiz in mir. Beim ersten Elternsprechtag in der Schule erklärte man mir gleich, was an meinem Kind auffällig sei. Sie sei auffällig freundlich und habe ein überdurchschnittlich ausgeprägtes Sozialverhalten ihren Mitschülern gegenüber.
Der Satz, dass sie es damit schwer haben würde, wurde noch schnell nachgeschoben und ich fragte mich auf dem Heimweg tatsächlich, ob ich es meinem Kind schwer mache, mit den Werten, die wir leben.


Im weiteren Verlauf dieses ersten Schuljahres gab es einen Lehrerwechsel.
Die neue Klassenlehrerin meiner Tochter entdeckte schnell eine weitere Auffälligkeit.
Sie sei Körperbezogen und umarme ihre Klassenkameraden, natürlich nicht alle.
Jene, die ihr eben nahe stehen, aber sie sei ja auch erst in der ersten Klasse.
Vor meinem geistigen Auge erschienen leuchtend rote Fragezeichen.
Also fragte ich nach, ob diese Aussage eine Botschaft enthalte, die mir zu entschlüsseln gerade nicht möglich sei.
Daraufhin erklärte sie mir, man könne einmal mit ihr darüber sprechen, warum sie diese Mitschüler umarmt.
Ich war ratlos.
Bisher war ich der Ansicht, es sei gut, dass meine Tochter in der Lage ist ihre Gefühle auszudrücken.
Ich antwortete der Lehrerin, dass es für mich keine Veranlassung für ein solches Gespräch mit meiner Tochter gibt, und ihre Frage, möglicherweise eine Frage an sich selbst sein könnte, da sie sich mir nicht stellt.


Auf dem Heimweg fragte ich mich erneut, ob ich es meinen Töchtern schwer mache.


Heute sehe ich dann diesen Film. Ich sehe, wie Eltern, die sicher das beste wollen für ihre Kinder, darauf vertrauen, was Ärzte, Lehrer oder die Nachbarn sagen. Ich sehe, wie Eltern sich profitabel ausbeuten lassen von einer Industrie und dafür Kinder geopfert werden. Die Lebenserwartung von Menschen, die seit ihrer Kindheit Psychopharmaka einnehmen verringert sich um 25%.


Weltschmerz?
Mein eigener Schmerz?


Eines weiss ich ganz sicher, ich werde mich niemals anpassen können - wollen, an eine Gesellschaft, die aus Gründen des Profits ihre Kinder opfert.




Montag, 9. September 2013

L I C H T ~♥~

ich spüre Dich
ich sehe Dich
Du berührst mich
Du bewegst mich
Du weist mir meinen Weg
Du machst ihn leicht für mich
Du machst meine Schatten sichtbar
Dir vertraue ich
ich folge Dir
in jede Nacht
in jeden neuen Morgen
Du begleitest mich
ich sehe klarer
in den dunkelsten Stunden
sehe ich mich
in Deinen Facetten reflektieren
Du hältst mich warm
durch Dich scheine ich
Du verbindest mich
Du bist Schönheit
Du bist Liebe


LICHT


Sonntag, 8. September 2013

~ Kannst Du das SEHEN? ~

Es ist Samstag morgen kurz vor 9 Uhr.
Ich bin auf dem Weg zum Seminar, nachdem ich meine Kinder zu ihrer Oma gebracht habe,
mit einem ambivalenten Gefühl.
Es ist Wochenende, Familienzeit, sagt ein Teil in mir.
Der andere Teil freut sich auf diese Supervision und die Begegnung mit den Menschen dort.


Ich sitze im Bus und blicke aus dem Fenster, der Himmel ist grau, neben mir fahren Autos.
Im Bus ist es still, kein Mensch spricht ein Wort.
Ich habe den Eindruck, während der 5 Haltestationen, bleibt ihre Mimik bewegungslos.
Ich steige um in den Zug, hier ist es lauter, Menschen unterhalten sich, Mobiltelefone klingeln, Zeitungen rascheln und ich höre Koffer über den Gang rollen.


Am Hauptbahnhof einer benachbarten Großstadt steige ich aus. Auf dem Weg zur U-Bahn begegnen mir Menschen, Menschen die sich in Eile, den Blick zum Boden gesenkt ihren Weg durch die Menge bahnen. Menschen die aneinander vorbei huschen, ohne sich gegenseitig wahrzunehmen, mit der Masse verschwimmende Individuen. Ich sehe Menschen, ich sehe Blicke und ich spüre Energien.


In Gedanken versunken sehe ich auf, in das Gesicht einer Frau mittleren Alters, ich erschrecke.
Neben einem von Tränen und Schminke verschmierten Auge starrt mich ein verquollenes, blau rotes Auge an. Die Frau sieht mich nicht an. An ihrer Seite ein Mann, er ist kleiner und zierlicher als sie.
Er wankt beim gehen und sie würdigen sich keines Blickes.
Noch in Gedanken bei dieser Frau, begegnet mir ein junges Pärchen, beide schwarz gekleidet mit Bierflaschen in der Hand. Ich höre das Mädchen sagen, dass sie gern nach Hause gehen würde, ihr Vater sie allerdings rausgeschmissen habe, sodass sie erstmal nicht wisse wo sie hin soll.


Ich spüre Schwere und setze mich.
Einige Minuten später setzt sich ein Mann zu mir, in Leder gekleidet, mittleren Alters.
Ich sehe in stahlblaue Augen, mit tiefen schwarzen Rändern.
Ich rieche Alkohol und ich spüre Sehnsucht in seinem Blick.
Der Mann dreht sich um, sieht mich einen Moment an und sagt: „Ich bin Junkie.“
Ich sehe ihn an und sage nichts.
Ob ich nicht gehört habe, fragt er mich.
Ich antworte, dass ich ihn gehört habe.
Ob ich nicht aufstehen wolle, fragt er mich.
Nein, das will ich nicht. Was ihn zu dieser Frage veranlasse, frage ich.
Niemand will neben einem Junkie sitzen, antwortet er.
Dann sei ich dieser „Niemand“, antworte ich.
Er überlegt einen Moment und lächelt.
In diesem Augenblick fährt seine Bahn ein, er steht auf.
Ich wünsche ihm einen schönen Tag.
Er sagt nichts.
Als er einsteigt, dreht er sich noch einmal um und bedankt sich.
Die Bahn fährt los.


Ich stehe auf, sehe mich um und sehe Menschen.
Viele Menschen, die dort stehen und warten, auf ein Transportmittel, dass sie an einen Ort bringt. Ich frage mich, welche Geschichte die stahlblauen Augen, in die ich eben blickte wohl zu erzählen haben.
Ich frage mich, wie viel Leid Menschen zu ertragen im Stande sind.


Ich bin traurig.
Eine Zeile aus einem Liedtext („So weit weg“ http://www.youtube.com/watch?v=cHQIfFOQrew   ) von Vega kommt mir in den Sinn: „Ich seh` sie laufen diese Kinder der Nacht!“


Beim Einstieg in meine Bahn, erblicke ich ein mir bekanntes Gesicht, eine freundliche Begrüßung, eine Umarmung.
Während mir die Begegnungen am Bahnhof nicht aus dem Sinn gehen wollen, fühle ich eine tiefe Dankbarkeit in mir. Für mein Leben, meine Kinder, meine Familie, meine Freunde und für die Freiheit wählen zu können, wie ich LEBE.


Eine weitere Textzeile aus einem weiteren Lied kommt mir in den Sinn:


„Ein ganzes Land kauft sich schneeweiße Autos, um den Dreck nicht zu spüren.“


Das Lied heisst „Kannst Du es sehen“ http://www.youtube.com/watch?v=aSgqA2lSCfw


Ja, Vega feat. Timeless.
Ich kann es sehen, ich spüre den Dreck, ich sehe die Ketten aus Silber & Gold und ich bin mir sicher ein jeder von uns würde gut daran tun, seinen Blick zu öffnen für sein eigenes und damit auch das Schicksal jedes einzelnen Menschen, um von dort einmal zu überlegen ob, wie und wozu er lebt, um gemeinsam Perspektiven zu schaffen, für jeden einzelnen Menschen.
Einfach mal hinHÖREN, mitFÜHLEN & hinterFRAGEN!





Donnerstag, 5. September 2013

~ VERTRAUte SEHNsucht ~

Die Sehnsucht,
das Gefühl der Sehnsucht,
ein sehnen, ein ziehen, ein tiefer Wunsch nach SEHEN im Sinne von erKENNEn, fühlen,
sie zieht fort und gleichzeitig hin zu etwas.
So fühle ich sie.


Sie begegnete mir in den letzten Tagen häufig, in Form von Musik, Geschichten und in meinem Gefühl. Ich dachte, es wäre gut darüber zu schreiben. Allerdings ließen sich einige Vorwände finden, genau das nicht zu tun, inzwischen ein klares Anzeichen für mich, dass sie gerade etwas mit mir zu tun hat, die Sehnsucht.


Die Sehnsucht und ich, wir sind untrennbar miteinander verbunden, seit ich denken kann. Ein Grund dafür mag sein, dass meine Eltern sich trennten, als ich noch sehr klein war. Meine Kindheitserinnerungen an meinen Vater sind recht schemenhaft, dennoch erinnere ich mich an das Gefühl der Sehnsucht, das mich immer dann besuchte, wenn ich mir meinen Vater in meiner Nähe wünschte. Ich sehnte mich weg von dem Ort wo ich gerade war, hin zu meinem Vater, ohne zu wissen, was mich dort erwarten würde.


Ich erinnere mich, dass ich mich von diesem Zeitpunkt an immer sehnte, nach etwas. Wenn ich Bücher las, wurde ich zum beschriebenen Charakter, so war ich einmal Entdeckerin, ein anderes Mal lebte ich in einem Haus am Meer auf einer Insel mit wilden Pferden. Ich träumte mich an diesen Ort und manchmal, in meinem Alltag, sehnte ich mich auf diese Insel.


Ich glaube, dass Menschen um mich herum diese Sehnsucht spürten und, dass sie sich für die meisten Menschen nicht gut anfühlte, denn sie ist nicht greifbar, diese Sehnsucht. In jedem sehnen steckt ein gehen. Es impliziert, dort wo ich bin, kann ich nicht bleiben. Das macht den meisten Menschen Angst.


Demnach ist die Sehnsucht ein richtungsweisendes Gefühl, sie strebt nach Erfüllung.
Sehnsucht kann einer der stärksten Motoren sein um Träume zu verwirklichen, wenn es gelingt sie als eine Art Vorfreude zu erkennen, ich freue mich auf etwas, das vor mir liegt und das ich selbst gestalten kann.


Oft bezieht sich dieses sehnen auf etwas, das in der Vergangenheit liegt, eine Lebenssituation, in der ich mich besonders wohl fühlte, Menschen, die mir sehr am Herzen lagen oder auf etwas, das mir schon immer fehlt. Dafür ein Bild zu finden erscheint mir besonders schwierig, denn Sehnsucht ist ein Gefühl, das der Verstand gern beherrschen würde, er schickt mir dann gern freundliche Informationen, wie z.B. ich solle meine Spinnerei lassen, oder fragt mich, wie ich mich sehne, wenn ich nicht einmal genau erkennen kann, wonach. Mein Gefühl sagt mir eindeutig, diese
Sehn - SUCHT ist eine Sehn - SUCHE,
eine SUCHE nach Liebe, nach Leben, nach Ruhe, nach Frieden, nach Freiheit welches Gefühl dem auch immer vorausgeht es ist eine Suche nach ERFÜLLUNG.
Erfüllung ist das Ziel und Entfaltung der Weg.
Ich entfalte mich, lerne auf meinem Weg und fühle mich mit jedem erreichen eines Etappenziels der Erfüllung ein wenig näher.

Meine Sehnsucht begleitete mich durch manche schlaflose Nacht, sie kennt Tränen des Verlustes, Tränen der Angst und Tränen der Wut.
Auch heute schenkt sie mir in manchen Nächten bittersüßen Schmerz.
Ich habe gelernt hinzuschauen, auch wenn das sehnen in der Vergangenheit liegt,
denn ich kann dort ein gutes Gefühl finden, ein Gefühl, das dieses „sich sehnen“ auslöst
und ich kann mich weiter sehnen, mehr von diesem Gefühl zu erfahren.
Ich kann es leben, und lieben JETZT - weil Gefühle, nach denen ich mich sehne in mir sind.
Von hier aus kann ich meinen Weg weiter gehen, Ziele kreieren, mit großer VorFREUDE auf das was kommt.

Mir erschließt sich mit diesem Gedanken ein Gefühl von WÄRME und die Süße verliert hier ihre Bitterkeit.


In einem Moment wie diesem, schrieb ich vor einiger Zeit:

„ Die Sehnsucht und ich wir führen so eine Art Fernbeziehung, dort wo sie ist, werde ich sein und wenn ich dort ankomme, wird sie sich bereits verabschiedet haben um mich an neue Orte zu führen, sie wird mir Erfüllung schenken - Schritt für Schritt.“

Seitdem sind wir Vertraute, die Sehnsucht und ich!




Mittwoch, 4. September 2013

~ D A N Kbarkeit ~

„Hast Du Dich schon einmal bei Dir selbst bedankt?“
fragte mich vor einiger Zeit ein besonderer Mensch,
der mir sehr viele solcher „komischen“(so bezeichnete er sie selbst) Fragen stellte.
Ich mag komische Fragen.
"Komische" oder „seltsame“ Fragen, sind meist die, die mich am tiefsten bewegen.


Ich hatte mich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie bei mir selbst bedankt und ich wusste auch nicht so recht wofür.
Mein Freund stellte mir diese Frage, weil er der Ansicht war, ich würde mich häufig bei ihm bedanken, besonders für solche „komischen“ Fragen.
Ja, ich habe mich bedankt und tue das immer noch.
Ich bedanke mich bei Menschen z.B. für die Augenblicke, die sie mir schenken,
ich bedanke mich für Impulse, die ich erhalte.
Ich danke Menschen für ein Lächeln, ein freundliches Wort, für ihre Offenheit, ihre Mühe.
Ich danke Menschen dafür, dass sie mir die Tür aufhalten,
dass sie meinen Kindern einen Sitzplatz anbieten in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Ich danke Menschen dafür, dass sie DA sind.


Und JA, inzwischen habe ich mich auch bei mir selbst bedankt.
Ich danke mir z.B. dafür, dass ich es bis hierher geschafft habe,
ich danke mir dafür, dass ich nie aufgegeben habe,
ich danke mir dafür, dass ich mich in alle Situationen meines Lebens brachte, um aus ihnen zu lernen.
Ich danke mir für die Augenblicke, die ich mir selbst schenke.
Ich danke mir dafür, dass ich in mir leben darf und ich danke mir dafür,
dass ich diese DANKBARKEIT so tief fühlen kann.

Ich danke allen Kräften, die immer wieder FÜR mich wirken und mich dieses Leben LIEBEn lassen.

Dankbarkeit ist eine Lebenseinstellung und ich durfte in den vergangenen Jahren lernen,
dass sie mich oft vor der Verzweiflung schützte,
weil sie Fragen stellt, an mich, an Menschen die mir begegnen und an das Leben,
weil sie eine Richtung weist, die sich für mich leicht anfühlt.




DANKBARKEIT verbindet, befreit und bereitet FREUDE!


 







Sonntag, 1. September 2013

~ verWUNDERung ~

Manchmal wundere ich mich, nein, oft wundere ich mich.
Eigentlich wundere ich mich immer, wenn ich Menschen begegne.
Ich wundere mich über ihre Fragen, ihre Antworten.
Ich wundere mich über ihre Berührungen.
Ich wundere mich über ihre Bewegungen.
Ich wundere mich über die Wunder, die in jedem einzelnen von ihnen wohnen.
Ich wundere mich, dass sie diese Wunder oft nicht erkennen können.
Ich wundere mich über mich selbst.
Ich wundere mich darüber, wer ich bin, in der Begegnung mit Menschen.
Ich wundere mich über Worte.
Ich wundere mich über Stille.
Ich wundere mich über Wahrnehmungen.
Ich wundere mich über tiefes Verstehen.
Ich wundere mich über Blicke.
Ich wundere mich über Gefühle.
Ich wundere mich über Lebensgeschichten.
Ich wundere mich über Träume.
Ich wundere mich über Ausdruck.
Ich wundere mich über Humor.
Ich wundere mich über Verhalten.




Am meisten wundere ich mich über Menschen, die sich nicht mehr wundern können.