Dienstag, 9. September 2014

~ WellenWEGE ~

Manchmal ist das Leben doch herrlich verrückt, ODER?

Oft sucht man etwas.
Jahre und Monde des Suchens vergehen,
man schaut hier und dort,
geht für eine Weile gerdadeaus,
entscheidet sich dann für eine Abzweigung,
geht nun hier eine Weile weiter,
betrachtet die Landschaft,
begegnet Menschen.
Suchenden,
Findenden,
Pilgern,
Reisenden,
oder vielleicht auch
Menschen, die sich treiben lassen,
ganz ohne Ziel.

Nach einer gewissen Zeit,
rastet man,
vielleicht tauscht man sich aus,
mit Menschen,
denen man begegnet.
Möglicherweise entscheidet man sich
einen Stück des Weges gemeinsam zu gehen,
bis zur nächsten, oder übernächsten Weggabelung.
vielleicht auch weiter.

Man wird der Suchens nicht müde,
denn es lässt sich ja immer
etwas finden,
am Wegesrand.

Irgendwann beginnen die Füße zu schmerzen,
man wird müde,
das Herz wird einem schwer,
möglicherweise bekommt man Angst,
man zweifelt.
Habe ich den richtigen Weg gewählt?

Wie nun weiter von hier  & was suche ich eigentlich?
Ja, es passiert von Zeit zu Zeit,
dass man vor lauter
suchen vergisst wonach.
Man macht sich vielleicht wieder auf den Weg,
sucht weiter,
nur um nach einer Weile festzustellen,
dass man lange gefunden hat,
wonach man suchte,
nämlich (in) sich selbst.

Nun kann es sein,
dass man das gar nicht so recht glauben mag.
Da ist man so weit gelaufen,
so viele Umwege,
bergauf & bergab,
mit dem Strom & gegen den Strom,
durch Wüsten hindurch,
über Meere hinweg,
der Sonne entgegen.
Und dann ...
... dann steht man womöglich mit beiden
Beinen im Meer,
um einen herum tanzen die Wellen,
vergnügt & fröhlich,
gewaltig & wild
sanft & ruhig.
Man findet sich wieder
im Leben.
Doch etwas ist anders.
Plötzlich sieht man die Welt mit anderen Augen.
Intensiver.
Jede Bewegung wird spürbar,
der leiseste Ton wird hörbar,
die  feinste Nuance wahrnehmbar.
Man spürt sich anders.
Vielleicht beginnt man sich zu bewegen,
im Rhytmus der Wellen
und man beginnt sich dem Leben
zu öffnen,
man L E B T
man L I E B T
man STIRBT
und man LEBT wieder ...
... und man tanzt die WELLEN des LEBENs in LIEBE und mit dem
unumstößlichen VERTRAUEN ...

ALLES IST GUT!!

Ich wünsche UNS einen beZAUBERnden DIENsTAG!

HERZlich ~ Daniela


De/Vision ~ In Dir



Sonntag, 7. September 2014

~ BilderWELLENzeitREISE ~

"Ich will Bilder sehen, von den Schuhen und der Tussi, die Du warst
zu dieser Zeit."

Okay!!!
Gemeint waren diese hässlichen Plateauturnschuhe,
die Ende der 90er einmal an aller Füße waren und
im Wechsel mit den Plateaustiefeln (die mit denen
man gleich 15 cm größer war und damit den ultimativen
Überblick in den "Clubs" hatte).

Ich habe tatsächlich Bilder gefunden, aus dieser Zeit,
doch nicht nur aus dieser, sondern auch aus all den
anderen Zeiten.
Die Tussi Zeit mit langer goldblonder
Löwenmähne wich recht schnell,
der "erdigen" Phase und aus "Funky - Szene - Clubs"
wurden dem Himmel sei Dank auch recht schnell
wieder verrauchte, dunkle Gewölbekeller,
zu Rockclubs umgebaute Lagerhallen
und New Wave & Gothic Veranstaltungen,
legendäre Depeche Mode Partys,
aber auch grandiose Reggae - Festivals.
Coole Lagerfeuerabende mit Gitarre
und interessanten Menschen am
Fluss. 

Herrlich war diese Fotozeitreise
und interessant auch zu sehen,
wie oft ich meine Haarfarbe wechselte,
wie sehr ich meinen Kleidungsstil anpasste,
an die verschiedensten Phasen
und wie ich doch immer irgendwie ich war.

All diese verschiedenen Daniela´s
leben mit und in mir.
Ich habe die Rebellin gesehen,
die sich wenn´s nötig war auch mal
gegen Autoritäten auflehnte,
ich habe eine fröhliche Person gesehen,
die sich schon immer mehr für die
Menschen mit Ecken und Kanten interessierte.
Ich habe eine junge Frau gesehen,
die sich irgendwann einmal versuchte an
ein System anzupassen, an das sie nicht glauben konnte.
Ich habe eine Träumerin gesehen,
die mutig genug war, daran zu glauben,
dass sie gegen alle Voraussagen, dass sie
Scheitern würde mit ihren Werten in dieser
Welt, diese nie ganz aufegegeben hat.
Ich habe eine Perfektionistin gesehen,
die nie ganz zufrieden sein konnte.
Ich habe einen ängstlichen Menschen gesehen,
der sich davor fürchtete, sich in der Welt zu verlieren.
Ich habe eine nachdenkliche Person gesehen,
eine fragende Persönlichkeit,
eine Suchende und eine Findende,
eine Sanftmütige und eine Wilde.
Ich habe eine Freundin gesehen,
eine Weggefährtin,
eine Ehefrau,
eine Mutter,
eine Tochter,
eine Flüchtende
und eine Lebenskünstlerin.
Eine, die sich immer wieder selbst überholte
und in der Folge über ihre eigene Geschwindigkeit stolperte,
Wandlungsfähig, Veränderungsfreudig,
ein Wahrheitsjunkie,
voller Sehnsucht und 
was ich vor allen Dingen sah,
ist ganz viel LEBEN & LIEBE und das fühlt sich sooo
unfassbar gut an.


Danke Kathy, für`s gemeinsame Erkennungsreisen!! ♥

Genießt die tanzenden Wellen des Sonntags, ihr Lieben,
vielleicht habt ihr Lust und nehmt Euch auch einmal die
Fotoalben zur Hand, für eine kleine Zeitreise.

HERZlich ~ Daniela 





Samstag, 6. September 2014

~ SamstagsWELLEN mit Pablo Neruda ~

Heute erinnerte ich mich an Pablo Neruda
und sein Gedicht über die Sanftmut,
das mich schon immer irgendwie berührte,
mich nun aber nochmal auf eine andere Art
erreichte.
Darüberhinaus mag ich noch einige weitere
bemerkenswerte Gedichte Nerudas mit Euch teilen,
vielleicht bereiten sie Euch
ein wenig Freude.

ICH LIEBE DIE SANFTMUT

Ich liebe die Sanftmut, und trete
ich über die Schwelle einer Einsamkeit,
öffne ich die Augen und lasse sie überlaufen
von der Süße ihres Friedens.
Ich liebe die Sanftmut über
allen Dingen dieser Welt.
Ich finde in der Beruhigung der Dinge
ein großes und ein stummes Lied.
Die Augen zum Himmel wendend,
gewahre ich im Erschauern der Wolken,
im Vogel, der vorüberzieht, und im Wind
die große Süße der Sanftmut.





 AUGENBLICK

Augenblick der unbeschwerten Freude,
die sich in ihrer Freundlichkeit mit Güte paart,
das Blut zu stillen aller Wunden.
Glockenklang der frühen Stunde
lautlos und noch schlafend,
du hast, als du dich erbarmtest,
diese Wonne angerührt und das Fensterglas,
das von Gedanken trübe war, zerbrochen.
Was den Augenblick mit Not beschwerte,
singt heiter und unbeschwert sein Lied ...
(Ewig die Schmerzen,
die bleiben,
sie kommen aus weiter Ferne
und verwandeln sich in Liebe.)


 REBELLION

Ausgepeitscht vom Regen und vom Wind
richten die Pappeln sich auf und klagen wild,
stehen am schwarzen Firmament und sind
mit zottiger Mähne aus grünem Astwerk ein Schild.
Doch bald sind sie müde, das Unerreichbare zu wollen,
nur einmal noch zeigt Rebellion ihre Statur,
wenn sie an dem verzweifeln, was sie sollen,
und in ihrem Wunsch nach Größe zeigt sich die Natur.
Der Kampf ist wild und gilt allen Gewalten,
und in Schönheit können sie ihre Größe halten,
die allen gehört, die eine Rebellion erhebt.
Doch immer wird man sich zu den Besiegten zählen,
und mit bösem Zischen wird der Wind sie quälen,
der Sieger, unter dessen Hand der fügsame Ast erbebt



DU BIST DAS RESULTAT DEINER SELBST

Erinnere dich,
dass jeder Tag ein neuer Anfang ist
und dass keiner so schrecklich ist,
um zu resignieren.
Hör’ auf, dich selbst zu täuschen.
Du bist der Grund deiner selbst,
deiner Erinnerung
deiner Traurigkeit,
deines Schmerzes!
Lerne von den Starken,
von den Tapferen,
tu es den Zielstrebigen gleich, den Siegern;
denen, die Situationen nicht einfach hinnehmen.
Denen, die siegten, trotz allem.
Schau in den Spiegel deiner selbst!,
und fange an aufrichtig zu sein - zu dir selbst.
Erkenne dich selbst
durch deinen Willen und deinem Wert,
um dich zu rechtfertigen.
Erinnere dich, dass es in dir eine Kraftquelle gibt,
die alles bewirken kann.
In dem du dich selbst erkennst,
wirst du frei sein und stark
und du bist nicht mehr ein Spielball der Umstände.
Denn du selbst bist dein Schicksal
und niemand
kann Dich in der Konstruktion
deines Schicksals ersetzen.
Steh auf,
sieh dir den Morgen an,
atme das Licht der Morgendämmerung ein.
Du bist der Teil deiner selbst,
deiner Kraft und deines Lebens.
Fang jetzt an!
Kämpfe!
Entscheide dich und du wirst gewinnen!
Denke niemals an das Glück -
es ist der Vorwand der Gescheiterten.


Eine herrlich entspannte Zeit für Euch & viel FREUDE im AugenBLICK! ♥

HERZlich ~ Daniela 



Freitag, 5. September 2014

~ WunschLEBENswelle ~

Während ich es mir gut gehen lasse,
in meiner Wellenauszeit,
geht mir eine Frage nicht mehr aus dem Kopf,
die sich so oder so ähnlich
hoffentlich jeder von UNS schon einmal stellte.

Diesmal begegnete sie mir im Buch "Brücke über die Zeit"
von Richard Bach:

"Schau Dich mal um,
entspricht das was Du siehst, dem Leben,
das Du Dir wünschst?"

Nun habe ich mir diese Frage schon häufiger gestellt,
und wie die meisten meiner Fragen führte auch diese
dazu mir meine Lebenssituation mal etwas genauer anzuschauen.

Es mag sein, dass es Menschen gibt, die wie aus der Pistole
geschossen antworten können,
dass es genau so ist.
Ich brauche eine Weile,
um mir einen Überblick zu verschaffen.

Ich sitze auf dem Balkon,
die Sonne scheint,
vor mir steht eine Tasse Kaffee,
ich höre die Stimmen meiner Kinder,
die mit ihren Freunden im Garten spielen,
während ich lese.

Ich denke an die Sturmflutwellen der letzten Wochen,
die Fragen, die sich mir stellen und stellten
und frage mich nun,
entspricht das, was ich im Augenblick sehe,
dem Leben, das ich mir wünsche?

Ja & nein,
denn es ist das Leben,
dass ich mir im Rahmen meiner derzeitigen Möglichkeiten
geschaffen habe.
Ich fühle mich wohl
und ich habe mich entschieden das Leben so gut wie
möglich mit meinen Kindern zu verbringen.

Schränkt Dich das nicht unglaublich ein,
werde ich immer wieder gefragt,
ehrlich gesagt stellt sich mir die Frage in dieser
Form nicht, weil mir die Alternativen
zum gegeben Zeitpunkt ganz und gar nicht gefallen.

Klar, hätte ich die Möglichkeit,
wie viele andere mehr oder weniger alleinerziehende
Mütter einen geregelten Vollzeitjob auszuüben
und meine Kinder in einer öffentlichen Institution
betreuen zu lassen.

Und ja, es würde uns finanziell unabhängiger machen
und mir darüberhinaus auch den einen oder anderen Freiraum
gewähren, der mir so eben fehlt.

Andererseits habe ich mich sehr bewusst dazu
entschieden Mutter zu sein,
damals unter etwas anderen Umständen,
was mich dann auch zunächst dazu veranlasste,
mein gesamtes Wertesystem in Frage zu stellen.

Nun hat sich seitdem viel verändert,
die Kinder werden älter und
so eröffnen sich mir von selbst immer mehr
Freiräume.

Ich habe mich weitergebildet,
in einem Bereich, für den ich mich seit jeher
interessiere und dennoch war es auch noch nicht
das was ich in Wahrheit tun möchte.

Also gebe ich mir und uns die Zeit,
weiter zu lernen,
in und an der Situation zu wachsen
und an einem Konzept zu arbeiten,
das beides vereint,
meinen Beruf und die Kinder.

Demnach beantworte ich mir die
Frage mit einem,
ich mag mein Leben so wie es derzeit ist,
ich habe Wünsche für die Zukunft,
ich habe Träume an deren Verwirklichung ich arbeite,
und ich habe konkrete Ziele,
kurzfristige aber auch welche,
die für den Augenblick noch nicht
realisierbar sind,
Arbeiten kann, will und werde ich daran
und mich weiter an den Gegebenheiten freuen,
die das Leben mir schenkt,
dazu gehören wohl auch die Sturmfluten,
und die Fragen, die sie mitbringen
denn ohne die, würden die Wellen nicht
tanzen.

Schaut Euch mal um,
entspricht das, was ihr seht,
dem Leben, das ihr Euch wünscht?

Genießt Eure Zeit!

HERZlich ~ Daniela






Donnerstag, 4. September 2014

~ NaturWELLEN ~

Einfach mal mich selbst spüren,
mich selbst wahrnehmen in der Natur.

Das Gras unter meinen Füßen spüren,
den Wind in meinem Haar,
die Sonne in meinem Gesicht,
den Regen auf meiner Haut.

Den Himmel beobachten,
wie er innerhalb von Minuten sich
komplett verändert.
Wolkenbilder entstehen
und vergehen wieder,
werden in dieser Form nie wieder
so DA sein.

Augenblicke LEBEN spüren,
an einen Baum gelehnt,
seine Energie atmen,
dem Fluss beim fließen zusehen,
das kühle Nass an meinen Füßen spüren.

Die Schönheit der letzten Blüten aufsaugen,
die Farben der sich langsam verfärbenden Blätter bewundern.
Steine aufsammeln, ihre ursprüngliche Kraft aufnehmen,
mit meinen Kindern im Gras liegen und
uns Geschichten erzählen.
Ihre kleinen Hände berühren
und ihre Herzensfreude spüren.

Mit den Händen in der Erde graben,
Beeren sammeln,
spätsommerliche Abende auf meinem Balkon
verbringen mit einer Wolldecke,
einem heißen Tee
und einem guten Buch.

Meinen Gedanken folgen,
Traumbilder malen,
Ruhe in mir finden.
Schreiben.

Das ist es, was ich im Augenblick
brauche um mich WOHL zu FÜHLEN!


Ich wünsche Euch einen schönen Donnerstag!

Lasst es EUCH GUT gehen!


HERZlich ~ Daniela








Dienstag, 2. September 2014

~ WELLENAUSZEIT ~

Wisst Ihr was?
Ich brauche eine Pause,
eine Aufladezeit.
Das bedeutet für mich viel Natur,
viel Zeit mit mir alleine,
in der ich mir etwas Gutes gönne,
Streicheleinheiten für meine Seele.
Viel Zeit mit meinen Kindern
& Menschen die mich einfach sein lassen.

Seit zwei Wochen tanze ich mich nun
mehr oder weniger gefasst durch
extreme Sturmflutwellen.
Immer dann, wenn ich den Eindruck habe,
nun beruhigt es sich langsam wieder,
kommt die nächste Welle und reisst
mich mit sich.

Ich komme mir vor wie in einem Spiegelkabinett,
umgeben von Menschen,
die mir meine tiefsten Ängste spiegeln.
Ich habe genug von Doppel Botschaften und
Widersprüchen, auf die offenbar gerade
mein Fokus gerichtet ist.

Dann fokussier Dich doch einfach auf etwas anderes,
mögt ihr Euch vielleicht jetzt denken,
Gedanken lenken und so.

Das habe ich versucht und zwar nicht nur in der
derzeitigen Sturmflut, sondern bereits in vielen davor.
Es funktioniert auch recht gut,
für eine Weile
und es mag sein, dass solche Perspektivwechsel,
die leider häufig in Verdrängungs, - oder Verschiebungstechniken
ausufern gut sind, für einige Menschen.

Bei mir sorgen sie lediglich dafür,
dass diese Themen nach einiger Zeit
in verstärkter Intensität zurück kommen.

Auch davon habe ich genug.

Ich habe mich entschlossen,
mir auch & gerade die beängstigenden,
die tief traurigen, die dunklen Themen
anzusehen.

Nun ist diese Energie,
nicht gerade die,
die jeder Mensch gut ertragen kann.
Wer will schon an die eigenen Wunden erinnert werden?

Umso dankbarer bin ich für die Menschen,
die auch während dieser Welle an meiner Seite sind,
die einfach da sind unabhängig davon,
was ich sage,
ob ich wütend bin,
oder traurig,
ob ich mal "zickig" bin,
oder "falsch" fokussiert.

Merkwürdigerweise fällt mir hier eine Zeile aus einem
Liedtext von Bush ein:

" Whatever you say it's alright
Whatever you do it's all good"

Ich finde da lohnt es sich einmal genauer
hinzuhören in uns selbst hinein
und auch & besonders im Umgang mit den
Menschen,
die uns am Herzen liegen.

Ich wünsche UNS allen eine ACHTSAME Zeit
und ein gutes GeFÜHL für UNSERE Bedürfnisse.

HERZlich ~  Daniela

 BUSH ~ Letting the Cables sleep









~ WELLEN tanzen mit Rilkes Briefen ~

Ich liebe Briefe,
ich mag Rilke
und ich bin traurig.
Da erscheint es mir ein Glücksfall zu sein,
dass mir heute genau dieser Brief Rilkes an
Franz Xaver Kappus begegnete.


An Franz Xaver Kappus
Borgeby gård, Flädie, Schweden,
am 12. August 1904

Mein lieber Herr Kappus,
Ich will wieder eine Weile zu Ihnen reden, lieber Herr Kappus,
obwohl ich fast nichts sagen kann, was hilfreich ist, kaum etwas Nützliches. Sie haben viele und große Traurigkeiten gehabt, die vorübergingen. Und Sie sagen, daß auch dieses Vorübergehen schwer und verstimmend für Sie war. Aber, bitte, überlegen Sie, ob diese großen Traurigkeiten nicht vielmehr mitten durch Sie durchgegangen sind? Ob nicht vieles in Ihnen sich verwandelt hat, ob Sie nicht irgendwo, an irgendeiner Stelle Ihres Wesens sich verändert haben, während Sie traurig waren? Gefährlich und schlecht sind nur jene Traurigkeiten, die man unter die Leute trägt, um sie zu übertönen; wie Krankheiten, die oberflächlich und töricht behandelt werden, treten sie nur zurück und brechen nach einer kleinen Pause um so furchtbarer aus; und sammeln sich an im Innern und sind Leben, sind ungelebtes, verschmähtes, verlorenes Leben, an dem man sterben kann. Wäre es uns möglich, weiter zu sehen, als unser Wissen reicht, und noch ein wenig über die Vorwerke unseres Ahnens hinaus, vielleicht würden wir dann unsere Traurigkeiten mit größerem Vertrauen ertragen als unsere Freuden. Denn sie sind die Augenblicke, da etwas Neues in uns eingetreten ist, etwas Unbekanntes; unsere Gefühle verstummen in scheuer Befangenheit, alles in uns tritt zurück, es entsteht eine Stille, und das Neue, das niemand kennt, steht mitten darin und schweigt.
Ich glaube, daß fast alle unsere Traurigkeiten Momente der Spannung sind, die wir als Lähmung empfinden, weil wir unsere befremdeten Gefühle nicht mehr leben hören. Weil wir mit dem Fremden, das bei uns eingetreten ist, allein sind, weil uns alles Vertraute und Gewohnte für einen Augenblick fortgenommen ist; weil wir mitten in einem Übergang stehen, wo wir nicht stehen bleiben können. Darum geht die Traurigkeit auch vorüber: das Neue in uns, das Hinzugekommene, ist in unser Herz eingetreten, ist in seine innerste Kammer gegangen und ist auch dort nicht mehr, - ist schon im Blut. Und wir erfahren nicht, was es war. Man könnte uns leicht glauben machen, es sei nichts geschehen, und doch haben wir uns verwandelt, wie ein Haus sich verwandelt, in welches ein Gast eingetreten ist. Wir können nicht sagen, wer gekommen ist, wir werden es vielleicht nie wissen, aber es sprechen viele Anzeichen dafür, daß die Zukunft in solcher Weise in uns eintritt, um sich in uns zu verwandeln, lange bevor sie geschieht. Und darum ist es so wichtig, einsam und aufmerksam zu sein, wenn man traurig ist: weil der scheinbar ereignislose und starre Augenblick, da unsere Zukunft uns betritt, dem Leben so viel näher steht als jener andere laute und zufällige Zeitpunkt, da sie uns, wie von außen her, geschieht. Je stiller, geduldiger und offener wir als Traurige sind, um so tiefer und um so unbeirrter geht das Neue in uns ein, um so besser erwerben wir es, um so mehr wird es unser Schicksal sein, und wir werden uns ihm, wenn es eines späteren Tages «geschieht» (das heißt: aus uns heraus zu den anderen tritt), im Innersten verwandt und nahe fühlen. Und das ist nötig. Es ist nötig und dahin wird nach und nach unsere Entwicklung gehen -, daß uns nichts Fremdes widerfahre, sondern nur das, was uns seit lange gehört. Man hat schon so viele Bewegungs-Begriffe umdenken müssen, man wird auch allmählich erkennen lernen, daß das, was wir Schicksal nennen, aus den Menschen heraustritt, nicht von außen her in sie hinein. Nur weil so viele ihre Schicksale, solange sie in ihnen lebten, nicht aufsaugten und in sich selbst verwandelten, erkannten sie nicht, was aus ihnen trat; es war ihnen so fremd, daß sie, in ihrem wirren Schrecken, meinten, es müsse gerade jetzt in sie eingegangen sein, denn sie beschworen, vorher nie Ähnliches in sich gefunden zu haben. Wie man sich lange über die Bewegung der Sonne getäuscht hat, so täuscht man sich immer noch über die Bewegung des Kommenden. Die Zukunft steht fest, lieber Herr Kappus, wir aber bewegen uns im unendlichen Raume.
Wie sollten wir es nicht schwer haben?
Und wenn wir wieder von der Einsamkeit reden, so wird immer klarer, daß das im Grunde nichts ist, was man wählen oder lassen kann. Wir sind einsam. Man kann sich darüber täuschen und tun, als wäre es nicht so. Das ist alles. Wieviel besser ist es aber, einzusehen, daß wir es sind, ja geradezu, davon auszugehen. Da wird es freilich geschehen, daß wir schwindeln; denn alle Punkte, worauf unser Auge zu ruhen pflegte, werden uns fortgenommen, es gibt nichts Nahes mehr, und alles Ferne ist unendlich fern. Wer aus seiner Stube, fast ohne Vorbereitung und Übergang, auf die Höhe eines großen Gebirges gestellt würde, müßte Ähnliches fühlen: eine Unsicherheit ohnegleichen, ein Preisgegebensein an Namenloses würde ihn fast vernichten. Er würde vermeinen zu fallen oder sich hinausgeschleudert glauben in den Raum oder in tausend Stücke auseinandergesprengt: welche ungeheure Lüge müßte sein Gehirn erfinden, um den Zustand seiner Sinne einzuholen und aufzuklären. So verändern sich für den, der einsam wird, alle Entfernungen, alle Maße; von diesen Veränderungen gehen viele plötzlich vor sich, und wie bei jenem Mann auf dem Berggipfel entstehen dann ungewöhnliche Einbildungen und seltsame Empfindungen, die über alles Erträgliche hinauszuwachsen scheinen. Aber es ist notwendig, daß wir auch das erleben. Wir müssen unser Dasein so weit,als es irgend geht, annehmen; alles, auch das Unerhörte, muß darin möglich sein. Das ist im Grunde der einzige Mut, den man von uns verlangt: mutig zu sein zu dem Seltsamsten, Wunderlichsten und Unaufklärbarsten, das uns begegnen kann. Daß die Menschen in diesem Sinne feige waren, hat dem Leben unendlichen Schaden getan; die Erlebnisse, die man «Erscheinungen» nennt, die ganze sogenannte «Geisterwelt», der Tod, alle diese uns so anverwandten Dinge, sind durch die tägliche Abwehr aus dem Leben so sehr hinausgedrängt worden, daß die Sinne, mit denen wir sie fassen könnten, verkümmert sind. Von Gott gar nicht zu reden. Aber die Angst vor dem Unaufklärbaren hat nicht allein das Dasein des einzelnen ärmer gemacht, auch die Beziehungen von Mensch zu Mensch sind durch sie beschränkt, gleichsam aus dem Flußbett unendlicher Möglichkeiten herausgehoben worden auf eine brache Uferstelle, der nichts geschieht. Denn es ist nicht die Trägheit allein, welche macht, daß die menschlichen Verhältnisse sich so unsäglich eintönig und unerneut von Fall zu Fall wiederholen, es ist die Scheu vor irgendeinem neuen, nicht absehbaren Erlebnis, dem man sich nicht gewachsen glaubt.
Aber nur wer auf alles gefaßt ist, wer nichts, auch das Rätselhafteste nicht, ausschließt, wird die Beziehung zu einem andren als etwas Lebendiges leben und wird selbst sein eigenes Dasein ausschöpfen. Denn wie wir dieses Dasein des einzelnen als einen größeren oder kleineren Raum denken, so zeigt sich, daß die meisten nur eine Ecke ihres Raumes kennen lernen, einen Fensterplatz, einen Streifen, auf dem sie auf und nieder gehen. So haben sie eine gewisse Sicherheit. Und doch ist jene gefahrvolle Unsicherheit so viel menschlicher, welche die Gefangenen in den Geschichten Poes drängt, die Formen ihrer fürchterlichen Kerker abzutasten und den unsäglichen Schrecken ihres Aufenthaltes nicht fremd zu sein. Wir aber sind nicht Gefangene. Nicht Fallen und Schlingen sind um uns aufgestellt, und es gibt nichts, was uns ängstigen oder quälen sollte. Wir sind ins Leben gesetzt, als in das Element, dem wir am meisten entsprechen, und wir sind überdies durch jahrtausendelange Anpassung diesem Leben so ähnlich geworden, daß wir, wenn wir stille halten, durch ein glückliches Mimikry von allem, was uns umgibt, kaum zu unterscheiden sind. Wir haben keinen Grund, gegen unsere Welt Mißtrauen zu haben, denn sie ist nicht gegen uns. Hat sie Schrecken, so sind es unsere Schrecken, hat sie Abgründe, so gehören diese Abgründe uns, sind Gefahren da, so müssen wir versuchen, sie zu lieben.
Und wenn wir nur unser Leben nach jenem Grundsatz einrichten, der uns rät, daß wir uns immer an das Schwere halten müssen, so wird das, welches uns jetzt noch als das Fremdeste erscheint, unser Vertrautestes und Treuestes werden. Wie sollten wir jener alten Mythen vergessen können, die am Anfange aller Völker stehen, der Mythen von den Drachen, die sich im äußersten Augenblick in Prinzessinnen verwandeln; vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen, die nur darauf warten, uns einmal schön und mutig zu sehen. Vielleicht ist alles Schreckliche im tiefsten Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will.
Da dürfen Sie, lieber Herr Kappus, nicht erschrecken, wenn eine Traurigkeit vor Ihnen sich aufhebt, so groß, wie Sie noch keine gesehen haben; wenn eine Unruhe, wie Licht und Wolkenschatten, über Ihre Hände geht und über all Ihr Tun. Sie müssen denken, daß etwas an Ihnen geschieht, daß das Leben Sie nicht vergessen hat, daß es Sie in der Hand hält; es wird Sie nicht fallen lassen. Warum wollen Sie irgendeine Schwermut von Ihrem Leben ausschließen, da Sie doch nicht wissen, was diese Zustände an Ihnen arbeiten? Warum wollen Sie sich mit der Frage verfolgen, woher das alles kommen mag und wohin es will? Da Sie doch wissen daß sie in den Übergängen sind, und nichts so sehr wünschten, als sich zu verwandeln.
Wenn etwas von Ihren Vorgängen krankhaft ist, so bedenken Sie doch, daß die Krankheit das Mittel ist, mit dem ein Organismus sich von Fremdem befreit; da muß man ihm nur helfen, krank zu sein, seine ganze Krankheit zu haben und auszubrechen, denn das ist sein Fortschritt. In Ihnen, lieber Herr Kappus, geschieht jetzt so viel; Sie müssen geduldig sein wie ein Kranker und zuversichtlich wie ein Genesender; denn vielleicht sind Sie beides. Und mehr: Sie sind auch der Arzt, der sich zu überwachen hat. Aber da gibt es in jeder Krankheit viele Tage da der Arzt nichts tun kann als abwarten. Und das ist es, was Sie, soweit Sie Ihr Arzt sind, jetzt vor allem tun müssen.
Beobachten Sie sich nicht zu sehr. Ziehen Sie nicht zu schnelle Schlüsse aus dem, was Ihnen geschieht; lassen Sie es sich einfach geschehen. Sie kommen sonst zu leicht dazu, mit Vorwürfen (das heißt: moralisch) auf Ihre Vergangenheit zu schauen, die natürlich an allem, was Ihnen jetzt begegnet, mitbeteiligt ist. Was aus den Irrungen, Wünschen und Sehnsüchten Ihrer Knabenzeit in Ihnen wirkt, ist aber nicht das, was Sie erinnern und verurteilen. Die außergewöhnlichen Verhältnisse einer einsamen und hilflosen Kindheit sind so schwer, so kompliziert, so vielen Einflüssen preisgegeben und zugleich so ausgelöst aus allen wirklichen Lebenszusammenhängen, daß, wo ein Laster in sie eintritt, man es nicht ohne weiteres Laster nennen darf. Man muß überhaupt mit den Namen so vorsichtig sein; es ist so oft der Name eines Verbrechens, an dem ein Leben zerbricht, nicht die namenlose und persönliche Handlung selbst, die vielleicht eine ganz bestimme Notwendigkeit dieses Lebens war und von ihm ohne Mühe aufgenommen werden könnte. Und der Kraft-Verbrauch scheint Ihnen nur deshalb so groß, weil Sie den Sieg überschätzen; nicht er ist das «Große», das Sie meinen geleistet zu haben, obwohl Sie recht haben mit Ihrem Gefühl; das Große ist, daß schon etwas da war, was Sie an Stelle jenes Betruges setzen durften, etwas Wahres und Wirkliches. Ohne dieses wäre auch Ihr Sie nur eine moralische Reaktion gewesen, ohne weite Bedeutung, so aber ist er ein Abschnitt Ihres Lebens geworden. Ihres Lebens, lieber Herr Kappus, an das ich mit so vielen Wünschen denke. Erinnern Sie sich, wie sich dieses Leben aus der Kindheit heraus nach dem «Großen» gesehnt hat? Ich sehe, wie es sich jetzt von den Großen fort nach den Größeren sehnt. Darum hört es nicht auf, schwer zu sein, aber darum wird es auch nicht aufhören zu wachsen.
Und wenn ich Ihnen noch eines sagen soll, so ist es dies: Glauben Sie nicht, daß der, welcher Sie zu trösten versucht, mühelos unter den einfachen und stillen Worten lebt, die Ihnen manchmal wohltun. Sein Leben hat viel Mühsal und Traurigkeit und bleibt weit hinter Ihnen zurück. Wäre es aber anders, so hätte er jene Worte nie finden können.


Ihr:

Rainer Maria Rilke


Mögen die Wellen heute beRUHIGt tanzen! ... ~♥~ ...